ORFEO International
Meldungen
August 2010
Signierstunde Andriss Nelsons
Signierstunde mit Andris Nelsons in Bayreuth am 7. August 2010 in der Markgrafenbuchhandlung
nach oben
Juli 2010
Cesare Siepi † 5.7.2010
Wenn für einen  Cesare Siepi als Don GiovanniSänger der Nachkriegszeit die Fachbezeichnung des „basso cantante“, der seine Stimme balsamisch strömen lassen und zugleich beweglich führen kann – im Unterschied zum typisch deutschen, statuarischen „schwarzen Bass“ mit überlegener Fülle und Tiefe –, geradezu emblematisch zutrifft, dann kann dies eigentlich nur Cesare Siepi sein. Die Weltkarriere des im Alter von 87 Jahren verstorbenen Sängers begann 1950 mit dem Philipp in Verdis Don Carlo an der New Yorker Metropolitan Opera zu Beginn Ära Bing,  Cesare Siepi in Mozarts Requiemnachdem er in den Jahren seit 1945 bereits europaweit, zwischen Mailand, Lissabon und London, für Aufsehen gesorgt hatte. Seine Mozartinterpretationen, Figaro und Don Giovanni mit den Wiener Philharmonikern, sind wohl für alle Zeiten Maßstab setzend. Die letztgenannte Rolle ist in der Reihe festspieldokumente aus Salzburg in seinem Debütjahr 1953 und unter Wilhelm Furtwänglers Leitung bei Orfeo ebenso dokumentiert (C 624 043 D) wie der Lieder- und Arienabend am selben Ort von 1956, in dem sich Siepi als beinahe allseitige Begabung des Konzert- und Opernrepertoires präsentierte, durch alle Epochen und Idiome, von der tragédie lyrique über das deutsche Kunstlied und die Konzertarie zu den großen italienischen Opernmonologen  Cesare Siepie in Mozarts Don Giovanni(C 744 071 B). Im selben Jahr sang er zudem den Bass-Part in Mozarts Requiem bei Bruno Walters letztem Salzburger Festspieldirigat (C 430 961 B).  Große italienische OpernmonologeEgal was Cesare Siepi sang – zu seinen italienischen und französischen Bühnenpartien kam in späteren Jahren noch der Gurnemanz in Wagners Parsifal hinzu –, die edle und elegante Stimmführung geriet bei aller Üppigkeit nie ins Poltern; auch wenn er Gounods oder Boitos Mephisto sang, vermied er trotz effektvoller Akzente stets das Outrieren. Dass dabei vielleicht das ebenfalls vorhandene komische Talent des Sängers etwas zu kurz kam, lassen die Rossini-Arien am Ende des besagten Liederabends von 1956 erahnen, nicht nur die häufig gesungene des Basilio aus Il barbiere di Siviglia, sondern vor allem die weniger bekannte, von Siepi ungeheuer charmant als Zugabe vorgetragene Arie der Randfigur des Haly aus L’Italiana in Algeri: „Le femmine d’Italia“. Wir verneigen uns vor einem großen Mann aus Italien!
nach oben
Juli 2010
Zum 80. Geburtstag von Carlos Kleiber
Am 3. Juli vor 80 Jahren kam er zur Welt: Carlos Kleiber, dessen Sonderstellung unter den Dirigierpersönlichkeiten, damals wie heute und auch sechs Jahre nach seinem unerwarteten Tod 2004 unangetastet bleibt.  C 100 841 BFünf Jahre nach Kleibers Geburt in Berlin floh die Familie aus Hitler-Deutschland und ging nach Argentinien. 1953 dirigierte Kleiber erstmals im Münchner Gärtnerplatz-Theater. Schnell entwickelte sich seine Karriere über Potsdam, Düsseldorf, Zürich, Stuttgart, München, Wien in den Himmel der Unsterblichen. Er war umworben von Bayreuth bis New York, von Salzburg bis Berlin und war doch ein ganz Zurückgezogener.
Selbst die Opernhäuser,  C 600 031 Ban denen er seine größten Erfolge gefeiert hatte, vor allem München und Wien, oder Orchester wie die Wiener Philharmoniker vermochten in späteren Jahren nicht mehr, ihn aus seinem selbstgewählten Rückzug zu lösen.  C 700 051 BFreilich hat er seit seinem Debüt an der Bayerischen Staatsoper 1968 mit dem Rosenkavalier von Richard Strauss allein dort in den folgenden 20 Jahren über 260 Opernaufführungen und Akademiekonzerte des Bayerischen Staatsorchesters geleitet.
Als Gesamtaufnahme liegt der Rosenkavalier in einem Mitschnitt von den Münchner Opernfestspielen 1973 vor – ein Dokument dafür, wie sehr Kleiber und das Ensemble der Bayerischen Staatsoper, ein Jahr nach einer gemeinsamen Neueinstudierung, ein Herz und eine Seele waren.
Carlos Kleiber,  C 581 083 Ddem das „Freigeben“ immer ein Graus gewesen ist, schrieb, als er sich entschloss, die 4. Symphonie von Beethoven mit dem Bayerischen Staatsorchester bei ORFEO zu veröffentlichen: Durch das Spiel des Bayerischen Staatsorchesters ist mir die Freigabe dieses Mitschnitts ein ganz persönliches Vergnügen... für jene, die auf Lebendigkeit hören können, haben wir hier Sachen drin, die spielt kein Orchester so lustvoll und frech oder so beseelt und erfreuend wie dieses Orchester an jenem Tag.
Die 6. Symphonie von  C 580 031 BBeethoven, auf Kleibers Wunsch ebenfalls bei ORFEO erschienen, dirigierte er nur ein einziges Mal. Die Live-Aufnahme mit dem Bayerischen Staatsorchester ist ebenso als Vermächtnis einzustufen wie, vom selben Komponisten und in derselben Konstellation, die 7. Symphonie – jenes Werk, das auch bei Kleibers letztem Auftritt am 26. Februar 1999 auf dem Programm stand.
nach oben
Mai 2010
† Anneliese Rothenberger
Der Preis für hohe Popularität in der Kunst ist mitunter hoch. Größte Erfolge im seriösen Fach können in der öffentlichen Wahrnehmung durch vermeintlich „minderwertige“ Auftritte im Unterhaltungsgenre verstellt werden.  C 328 931 B C 429 962 I C 392 952 I C 651 053 DBisweilen ist es Anneliese Rothenberger so ergangen, nachdem sie in den 50er und 60er Jahren im Repertoire des lyrischen Soprans mit Koloratur zur unumstrittenen Weltelite gehörte. Die künstlerische Reife der Sängerin hat gleichwohl nie unter ihrer Beliebtheit bei einem breiten Publikum gelitten, im Gegenteil: urteilsfähiger und weiser als manch eine(r) ihrer Zunft zog sich Anneliese Rothenberger in den 80er Jahren aus dem aktiven Sängerleben zurück. Noch wichtiger wurde ihr zu dieser Zeit die Förderung des Sängernachwuchses, der sie sich schon vorher verschrieben hatte. Will man sich ein Bild von der Vielseitigkeit Anneliese Rothenbergers im Zenith ihrer Opernkarriere machen, ist einmal mehr die Edition „Salzburger Festspieldokumente“ von großer Aussagekraft: Wer außer Anneliese Rothenberger hätte beispielsweise innerhalb von fünf Jahren unter George Szell die Weltpremieren von Liebermanns Penelope und Die Schule der Frauen an der Spitze erlesener Ensembles zum Erfolg geführt, um dann am selben Ort mit Lisa Della Casa das ideale Schwesternpaar in Strauss’ Arabella zu bilden? Und wer hätte schließlich, im Jahrzehnt nach diesen Triumphen in Werken des 20. Jahrhunderts, das Publikum Salzburgs als genuine Mozart-Sängerin bezaubert? Insgesamt drei Sommer lang war sie die Konstanze in der legendären Entführung aus dem Serail vom Leitungsteam Giorgio Strehler/Zubin Mehta, zwei Spielzeiten davon an der Seite von Fritz Wunderlich. Dieser habe in seiner letzten Festspielsaison, wie Anneliese Rothenberger später erzählte, Autogramme mit dem makabren Vermerk „in memoriam“ gegeben. Nun ist der Salzburger Mitschnitt mit beiden zu einem doppelt wehmütig stimmenden, zugleich aber seinesgleichen suchenden Erinnerungsstück an diese singuläre Bühnen-Partnerschaft geworden.
nach oben
Mai 2010
Giulietta Simionato
Am 5. Mail 2010, genau eine Woche vor ihrem 100. Geburtstag verstorben ist Giulietta Simionato, die wohl weltweit vielseitigste Mezzosopranistin ihrer Generation.  Giulietta Simionato Foto: FayerOb als Belcanto-Partnerin der „Tigerin“ Maria Callas, als Rivalin der „Taube“ Renata Tebaldi (z.B. in Verdis Aida) oder als Primadonna im Koloraturen- und vereinzelt im Verismo-Fach: ihre stimmlichen Möglichkeiten schienen nahezu unbegrenzt.
 C 772 082 I
 C 681 062 I
In der Edition „Salzburger Festspieldokumente“ ist sie dementsprechend „standesgemäß“ sowohl als Titelheld von Glucks Orfeo ed Euridice als auch als charaktervolle und komödiantische Mrs Quickly in Verdis Falstaff vertreten, beide Male unter Herbert von Karajan, unter dessen Ägide sie auch an derWiener Staatsoper zu einer gerne gesehenen und gehörten Gastsängerin avancierte.
Beispiel hierfür im ORFEO-Katalog ist ihre Mitwirkung als Preziosilla in der Premiere von La forza del destino, mit Dimitri Mitropoulos am Pult, unter dessen musikalischer Leitung Giulietta Simionato auch an der Metropolitan Opera in New York zu erleben gewesen ist.
Fast scheint es, die Opernwelt kann – angesichts der Unwiederbringlichkeit derartiger Konstellationen – über die Jahre nur ärmer werden.
nach oben
August 2009
Nachruf auf Hildegard Behrens
Sie stand auf den Wunschlisten der Intendanten, Dirigenten, Regisseure und Besucher der größten Opernhäuser ganz oben, wenn es in den 80er und 90er Jahren galt das hochdramatische Sopranfach zu besetzen. [mehr...]
Juli 2009
Zum 80. Geburtstag von Hermann Prey
Er verkörperte den Gegenbeweis zur Behauptung, Popularität und Seriösität der klassischen Musik, insbesondere der Oper, würden einander im Zeitalter von Film und Fernsehen ausschließen. Der Bariton Hermann Prey galt in Deutschland als Inbegriff des volksnahen, aber stets ‚ernsten‘ Künstlers. [mehr...]
Juli 2009
Zum 70. Geburtstag von Brigitte Fassbaender
Dass ein starker regionaler Bezug einer internationalen Karriere nicht hinderlich sein muss, dafür steht exemplarisch der Weg von Brigitte Fassbaender. [mehr...]
August 2008
Zum 85. Geburtstag von Wolfgang Sawallisch
Eineinhalb Jahrzehnte liegen seine letzten Opernauftritte am Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück; doch nicht nur in seiner Heimatstadt München sind die Erinnerungen an den Dirigenten Wolfgang Sawallisch, der am 26. August 2008 seinen 85. Geburtstag feiert, präsent wie eh und je... [mehr...]
April 2008
Zum 100. Geburtstag von Joseph Keilberth
Beinahe zwangsläufig ist das Bild, das sich der Nachwelt des am 19. April 1908 geborenen Dirigenten Joseph Keilberth eingeprägt hat, mit dem Schock seines plötzlichen Todes verbunden, nachdem er in einer Tristan-Aufführung am Pult des Münchner Nationaltheaters zusammengebrochen war. [mehr...]
April 2008
Zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan
Zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan werden ganze Symposien abgehalten, die bisher erschienenen biographischen und diskographischen Studien in ihren (un-)kritischen Haltungen miteinander verglichen, relativiert und neue Standpunke formuliert. [mehr...]
März 2008
Zum 80. Geburtstag von Franz Crass
Als eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Bässen der Nachkriegszeit gelten kann Franz Crass, dem wir zu seinem 80. Geburtstag am 9. März 2008 gratulieren. [mehr...]
Februar 2008
ORFEO 2 CD C 678 062 H
Classical Award 2008 für König und Köhler
Mit dem Midem Classical Award 2008 für die beste Opernaufnahme ausgezeichnet wurde die Einspielung von Antonín Dvoáks Král a uhlí (König und Köhler), die als Co-Produktion mit dem WDR bei Orfeo unter der musikalischen Leitung von Gerd Albrecht erschienen ist. [mehr...]
Januar 2008
ORFEO 2 CD C 438 982 H
Lobgesänge
Zwar erblickte Max Bruch am Dreikönigstag vor 170 Jahren in Köln das Licht der Welt; einem breiten Publikum ist er aber bis heute weniger als „religiöser“ Komponist geläufig, sondern primär für sein Violinkonzert g-Moll, das zum Repertoire aller großen Geiger gehört. [mehr...]
August 2007
ORFEO 2 CD C 438 982 H
Dove sono i bei momenti – Gundula Janowitz zum 70. Geburtstag
Insbesondere im Mozart-Fach wurde sie vor allem für die Klarheit ihres Timbres und ihre konsequent schlanke (und vor allem ,schlackenfreie‘) Stimmführung geschätzt. Darüber sollte allerdings nicht vergessen werden, dass die Akkuratheit von Gundula Janowitz keinesfalls einer emotionalen dramatischen Gestaltung im Wege stand. [mehr...]
Juni 2007
ORFEO 1 CD C 686 061 A
Ausgezeichnet
Arabella Steinbacher erhält für ihre CD „Violino Latino“ (C 686 061 A) den ECHO Klassik als „Nachwuchskünstlerin des Jahres – Instrument 2007“. [mehr...]
März 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Dmitry Sitkovetsky: Bach, Goldgerg-Variationen
Es bürgt durchaus für Kontinuität in der Schallplattengeschichte, dass bei allem Streben nach Authentizität und Urtext nicht nur die Pioniertaten der historischen Aufführungspraxis ihre Nach- und Neuauflagen erhalten. [mehr...]
Januar 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Grace Bumbry zum 70. Geburtstag am 4. Januar 2007
Als sie bei den Bayreuther Festspielen 1961/1962 als „schwarze Venus“ Aufsehen erregte (vor allem aber gesanglich wie darstellerisch brillierte), war die aus St. Louis stammende Grace Bumbry gerade einmal eine Mittzwanzigerin. [mehr...]
Januar 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Werner Hollweg † 1.1.2007
Von den Vorbereitungen zur Münchner Uraufführung von Idomeneo berichtete Mozart seinem Vater, welche Schwierigkeiten er dabei hatte, beim Protagonisten den koloraturengewandten und bühnengerechten Ausdruck auszubalancieren. [mehr...]
Oktober 2006
Sena Jurinac
Noch heute und seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Sena Jurinac ein absoluter Publikumsliebling des Wiener Staatsopern-Publikums und eine Künstlerpersönlichkeit, auf welche die Bezeichnung „lebende Legenden“ wirklich passt. [mehr...]
September 2006
Astrid Varnay † 5.9.2006
Um Astrid Varnay ranken sich Legenden wie Anekdoten. Sie war die erste Brünnhilde auf dem Grünen Hügel nach dem Zweiten Weltkrieg und behauptete sich dort allein in dieser Rolle ein volles Jahrzehnt neben ihren Kolleginnen. [mehr...]
August 2006
Léopold Simoneau † 24.8.2006
Es gibt Opernpartien, die bei immergleichen stimmtechnischen Schwierigkeiten doch ganz unterschiedlich gemeistert werden können. [mehr...]
Christel Goltz in memoriam
Sie gehörte zu den ganz großen hochdramatischen Sopranistinnen der frühen Nachkriegsjahre, auch wenn ihre Aufnahmen leider nur unzureichend ihr Wagner-Repertoire widerspiegeln. So ist Christel Goltz vor allem als ausdrucksstarke Interpretin der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts in Erinnerung... [mehr...]
nach oben |