ORFEO International
Meldungen
August 2009
Nachruf auf Hildegard Behrens
Sie stand auf den Wunschlisten der Intendanten, Dirigenten, Regisseure und Besucher der größten Opernhäuser ganz oben, wenn es in den 80er und 90er Jahren galt das hochdramatische Sopranfach zu besetzen.  Hildegard Behrens Foto: Sabine ToepfferOb als Leonard Bernsteins, Wolfgang Sawallischs und Lorin Maazels Isolde in München, ob als Brünnhilde unter Georg Solti im Bayreuther Festspielhaus, unter James Levine an der New Yorker Metropolitan Opera oder unter Christoph von Dohnányi an der Wiener Staatsoper – Hildegard Behrens wurde stets für ihre leuchtkräftige Stimme und darstellerische Ausstrahlung gefeiert, die sie freilich mit größter gestalterischer Geschicklichkeit und Intelligenz in Einklang zu bringen verstand. Ihren Durchbruch hatte sie bereits in den 70er Jahren gefeiert, mit zwei der heikelsten Partien des dramatischen Repertoires überhaupt: als Salome unter Herbert von Karajan ließ sie Richard Strauss’ Diktum von seiner „16jährigen Prinzessin mit der Isoldenstimme“ einmal nicht paradox erscheinen.  C 560 012 IIhre künstlerische Visitenkarte jedoch wurde innerhalb von gerade einmal drei Jahren Beethovens Fidelio-Leonore: unter Sir Reginald Goodall in London, unter Karl Böhm in New York und, wie im Live-Mitschnitt von 1978 bei Orfeo dokumentiert, ebenfalls unter Böhm in München. Hier konnte sie alle ihre Vorzüge ausspielen: Präzision und Temperament in Stimme und Spiel (auch beim gesprochenen Text!), eine blendende Erscheinung sowie ihr klar fokussiertes und in der triumphalen Höhe gipfelndes, warmes Timbre. Dank ihrer Professionalität und technischen Klasse gelang es Hildegard Behrens – auch als Kollegin äußerst beliebt und mit vielfachen Ehrungen bedacht – diese Grundcharakteristika ein gutes Vierteljahrhundert zu bewahren, exemplarisch hierfür die vom Komponisten auf sie zugeschnittene Rolle der „R“ in Luciano Berios Cronaca del Luogo bei der Salzburger Festspiel-Uraufführung 1999 unter Sylvain Cambreling; unvergesslich hier die Zwiegesänge mit der Figur des Orvid und der ariose Monolog von Hildegard Behrens am Ende, vergleichbar ihren großen Momenten im musikalischen Dialog mit Florestan, Tristan, Wotan oder Siegfried und den unzähligen Finalszenen, denen sie bei Wagner und Strauss ihren Stempel aufgedrückt hat. Die Opernwelt trauert angesichts des Verlustes dieser großen Künstlerin, die am 18. August unerwartet in Japan verstorben ist.
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Juli 2009
Zum 80. Geburtstag von Hermann Prey
Er verkörperte den Gegenbeweis zur Behauptung, Popularität und Seriösität der klassischen Musik, insbesondere der Oper, würden einander im Zeitalter von Film und Fernsehen ausschließen. Der Bariton Hermann Prey galt in Deutschland als Inbegriff des volksnahen, aber stets ‚ernsten‘ Künstlers.  Hermann Prey Foto: GrasserAuch wenn er gelegentlich mit Volksliedern oder mit Musicalnummern in Erscheinung trat, hätte wohl kaum jemand dies als Cross-over im heutigen Sinne eingestuft. Denn mit seinem ausgesprochen natürlich und ehrlich anmutenden Gesangsstil schien Prey nie Stilgrenzen zu brechen oder zu nivellieren, da der Ausdruck – ob heiter oder getrübt, ob erzählend distanziert oder gefühlsbetont involviert – immer der Schlüssel zu der von ihm interpretierten Musik blieb.  C 116 842 H C 524 991 B C 011 101 A C 344 932 IZeitlebens mit Heinrich Schlusnus als Vorbild baute Prey sein deutsches Liedrepertoire ebenso sorg- und vielfältig auf wie jenes seiner Bühnenrollen, ohne sich jemals in für seine lyrische Veranlagung zu dramatische Gefilde vorzuwagen. Wohl nicht zuletzt dadurch konnte der Künstler, der am 11. Juli 2009 achtzig Jahre alt geworden wäre,  C 345 953 D C 519 992 B C 765 082 Inoch wenige Tage vor seinem unerwarteten Tod 1998 in stimmlich ausgezeichneter Verfassung bei den Münchner Opernfestspielen auftreten und wäre zu deren Beschluss sogar noch in einer seiner Glanzrollen, als Beckmesser in Richard Wagners Meistersingern angesetzt gewesen. In dessen Frühwerk Das Liebesverbot hatte Prey noch 15 Jahre zuvor, damals schon als Mittfünfziger, ebenfalls an der Bayerischen Staatsoper in der Rolle des Statthalters Friedrich unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch brilliert, ein Abend der bei Orfeo ebenso dokumentiert ist wie die häufige Zusammenarbeit zwischen Prey und Sawallisch als Liedduo. 1970 ist der Abend mit Liedern von Hans Pfitzner und Richard Strauss bei den Salzburger Festspielen aufgenommen worden. Aus der Feder des letztgenannten Komponisten stammt auch eine Oper, als deren Protagonist (und Strauss’ Alter Ego) Prey über die zeitliche Distanz eines Vierteljahrhunderts reüssieren konnte: sein Kapellmeister Storch ist in einer Produktion der Wiener Staatsoper unter Joseph Keilberth aus dem Jahr 1963 auf CD erschienen und begeistert durch den jugendlichen Elan, der von Prey und Hanny Steffek als Storchs Ehefrau ausgeht. Legendär ist Prey Bühnenpartnerschaft mit Fritz Wunderlich, live aus der Bayerischen Staatsoper z.B. in Verdis La Traviata festgehalten. ‚Echte’ Familienbande prägten Brahms’ Schöne Magelone mit der Schauspielerin Annette Prey (Tochter des Sängers) als Rezitatorin und Helmut Deutsch als Pianisten, 1983 aufgenommen im Wiener Musikverein. Dank seiner Familie bleibt zudem viel von Hermann Preys Lebenswerk – etwa auch die Herbstlichen Musiktage von Bad Urach, deren künstlerischer Leiter er war – bis heute über die Erinnerung hinaus lebendig, an deren Wachhaltung Orfeo hoffentlich (und dankbar) ebenfalls mitwirken darf.
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Juli 2009
Zum 70. Geburtstag von Brigitte Fassbaender
Dass ein starker regionaler Bezug einer internationalen Karriere nicht hinderlich sein muss, dafür steht exemplarisch der Weg von Brigitte Fassbaender: nach ihrer Ausbildung am Nürnberger Konservatorium begann sie 1961 an der Bayerischen Staatsoper ihre fast dreieinhalb Jahrzehnte lange Sängerlaufbahn auf den großen Bühnen und Konzertpodien der Welt, die bis heute in der Theateradministration, Regie führender, und unterrichtender Weise ihre konsequente Erweiterung gefunden hat.  Brigitte Fassbaender Foto: Oda SternbergSeit jenem Debüt 1961 ist für Brigitte Fassbaender insbesondere in der bayerischen Opernwelt ein Ehrenplatz reserviert, wiewohl sie weder vom Geburtsort Berlin, wo sie vor 70 Jahren zur Welt kam, noch vom künstlerischen Elternhaus her im Süddeutschen verwurzelt ist.  C 334 931 B C 583 022 I C 581 083 D C 464 972 IEs ist nur konsequent, dass sie zusätzlich zu ihrer Intendanz am Tiroler Landestheater Innsbruck mittlerweile die künstlerische Leitung des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen innehat – war doch der Octavian im Rosenkavalier zweifellos eine der Gipfelleistungen ihrer Gesangs- und Darstellungskunst. Seit vergangenem Jahr ist dieser als Tondokument bei Orfeo in der berühmten Aufführung unter Carlos Kleiber von den Münchner Opernfestspielen 1973 dokumentiert. Amüsanterweise ist Brigitte Fassbaender im selben Stück (acht Jahre vorher aufgenommen) auch als Intrigantin Annina auf CD zu hören, wobei diese Rolle ihr wie jene gleichen Namens in Verdis La traviata aus demselben Jahr selbstverständlich noch keinen großen Raum zur Entfaltung gelassen hat.  C 096 841 A C 636 041 B C 654 052 BIndes wird anhand dieser beiden Aufführungen bewusst, mit welchen großen Dirigenten und Partnern Brigitte Fassbaender von Beginn an zusammengearbeitet hat: Joseph Keilberth und Giuseppe Patanè, Teresa Stratas, Fritz Wunderlich, Hermann Prey und Kurt Böhme sind nur einige davon. Die beiden Münchner Mitschnitte aus den 70er Jahren von Aida und Werther (an der Seite von Plácido Domingo) zeigen, dass sie auch im italienischen und französischen Fach keine Konkurrenz fürchten musste, was zudem in ihrem Opernrecital aus den Studios des Süddeutschen Rundfunks überdeutlich wird: keine Mozartsche Kantilene, keine Belcanto-Koloratur und kein dramatischer Ausbruch (bei Wagner oder Tschaikowsky) liegt hier außerhalb ihrer Möglichkeiten. Ohne das Konzert- und Liedrepertoire blieben alle diese Versuche der Dokumentation von Brigitte Fassbaenders Kunst gleichwohl äußerst fragmentarisch (jeglicher Anspruch auf Vollständigkeit ist ohnehin sinnlos). Maßstäbe setzend in der Tonschönheit und textlichen Ausgestaltung waren hier ihre Liederabende (in der Reihe der Salzburger Festspieldokumente nachvollziehbar anhand eines reinen Schumann-Programms mit Erik Werba) wie auch ihre Mitwirkung in vielen Oratorien unter prägenden Dirigenten wie Rafael Kubelík und Wolfgang Sawallisch, an vorderster Stelle vielleicht Mahlers Lied von der Erde (bei Orfeo ebenfalls von den Salzburger Festspielen und unter Carlo Maria Giulini). Wir danken und gratulieren.
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August 2008
Zum 85. Geburtstag von Wolfgang Sawallisch
Eineinhalb Jahrzehnte liegen seine letzten Opernauftritte am Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück; doch nicht nur in seiner Heimatstadt München sind die Erinnerungen an den Dirigenten Wolfgang Sawallisch, der am 26. August 2008 seinen 85. Geburtstag feiert, präsent wie eh und je... [mehr...]
April 2008
Zum 100. Geburtstag von Joseph Keilberth
Beinahe zwangsläufig ist das Bild, das sich der Nachwelt des am 19. April 1908 geborenen Dirigenten Joseph Keilberth eingeprägt hat, mit dem Schock seines plötzlichen Todes verbunden, nachdem er in einer Tristan-Aufführung am Pult des Münchner Nationaltheaters zusammengebrochen war. [mehr...]
April 2008
Zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan
Zum 100. Geburtstag von Herbert von Karajan werden ganze Symposien abgehalten, die bisher erschienenen biographischen und diskographischen Studien in ihren (un-)kritischen Haltungen miteinander verglichen, relativiert und neue Standpunke formuliert. [mehr...]
März 2008
Zum 80. Geburtstag von Franz Crass
Als eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Bässen der Nachkriegszeit gelten kann Franz Crass, dem wir zu seinem 80. Geburtstag am 9. März 2008 gratulieren. [mehr...]
Februar 2008
ORFEO 2 CD C 678 062 H
Classical Award 2008 für König und Köhler
Mit dem Midem Classical Award 2008 für die beste Opernaufnahme ausgezeichnet wurde die Einspielung von Antonín Dvoáks Král a uhlí (König und Köhler), die als Co-Produktion mit dem WDR bei Orfeo unter der musikalischen Leitung von Gerd Albrecht erschienen ist. [mehr...]
Februar 2008
ORFEO 2 CD C 678 062 H
Cesare Siepi zum 85. Geburtstag am 10. Februar 2008
Wenn für einen Sänger der Nachkriegszeit die Fachbezeichnung des „basso cantante“ geradezu emblematisch zutrifft, dann kann dies eigentlich nur Cesare Siepi sein. [mehr...]
Januar 2008
ORFEO 2 CD C 438 982 H
Lobgesänge
Zwar erblickte Max Bruch am Dreikönigstag vor 170 Jahren in Köln das Licht der Welt; einem breiten Publikum ist er aber bis heute weniger als „religiöser“ Komponist geläufig, sondern primär für sein Violinkonzert g-Moll, das zum Repertoire aller großen Geiger gehört. [mehr...]
August 2007
ORFEO 2 CD C 438 982 H
Dove sono i bei momenti – Gundula Janowitz zum 70. Geburtstag
Insbesondere im Mozart-Fach wurde sie vor allem für die Klarheit ihres Timbres und ihre konsequent schlanke (und vor allem ,schlackenfreie‘) Stimmführung geschätzt. Darüber sollte allerdings nicht vergessen werden, dass die Akkuratheit von Gundula Janowitz keinesfalls einer emotionalen dramatischen Gestaltung im Wege stand. [mehr...]
Juni 2007
ORFEO 1 CD C 686 061 A
Ausgezeichnet
Arabella Steinbacher erhält für ihre CD „Violino Latino“ (C 686 061 A) den ECHO Klassik als „Nachwuchskünstlerin des Jahres – Instrument 2007“. [mehr...]
März 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Dmitry Sitkovetsky: Bach, Goldgerg-Variationen
Es bürgt durchaus für Kontinuität in der Schallplattengeschichte, dass bei allem Streben nach Authentizität und Urtext nicht nur die Pioniertaten der historischen Aufführungspraxis ihre Nach- und Neuauflagen erhalten. [mehr...]
Januar 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Grace Bumbry zum 70. Geburtstag am 4. Januar 2007
Als sie bei den Bayreuther Festspielen 1961/1962 als „schwarze Venus“ Aufsehen erregte (vor allem aber gesanglich wie darstellerisch brillierte), war die aus St. Louis stammende Grace Bumbry gerade einmal eine Mittzwanzigerin. [mehr...]
Januar 2007
ORFEO 1 CD C 138 851 A
Werner Hollweg † 1.1.2007
Von den Vorbereitungen zur Münchner Uraufführung von Idomeneo berichtete Mozart seinem Vater, welche Schwierigkeiten er dabei hatte, beim Protagonisten den koloraturengewandten und bühnengerechten Ausdruck auszubalancieren. [mehr...]
Oktober 2006
Sena Jurinac
Noch heute und seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Sena Jurinac ein absoluter Publikumsliebling des Wiener Staatsopern-Publikums und eine Künstlerpersönlichkeit, auf welche die Bezeichnung „lebende Legenden“ wirklich passt. [mehr...]
September 2006
Astrid Varnay † 5.9.2006
Um Astrid Varnay ranken sich Legenden wie Anekdoten. Sie war die erste Brünnhilde auf dem Grünen Hügel nach dem Zweiten Weltkrieg und behauptete sich dort allein in dieser Rolle ein volles Jahrzehnt neben ihren Kolleginnen. [mehr...]
August 2006
Léopold Simoneau † 24.8.2006
Es gibt Opernpartien, die bei immergleichen stimmtechnischen Schwierigkeiten doch ganz unterschiedlich gemeistert werden können. [mehr...]
Christel Goltz in memoriam
Sie gehörte zu den ganz großen hochdramatischen Sopranistinnen der frühen Nachkriegsjahre, auch wenn ihre Aufnahmen leider nur unzureichend ihr Wagner-Repertoire widerspiegeln. So ist Christel Goltz vor allem als ausdrucksstarke Interpretin der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts in Erinnerung... [mehr...]
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