NEUHEITEN
NEUHEITEN der letzten 12 Monate
IN VORBEREITUNG
ARCHIV
AUSZEICHNUNGEN
CDs
SACDs
LPs
MCs
KATALOGNUMMERN
|
|
ORFEO International – Neuheiten
Wichtige Neuerscheinungen kurz vorgestellt
Veröffentlichungszeitraum März 2009 — Februar 2010
Februar 2010
ORFEO 2 CD C 784 102 I
Verdi: Luisa Miller
Lange, über 120 Jahre hat es gedauert,  C 784 102 Ibis Wiens Opernfreunde Giuseppe Verdis Luisa Miller – nach der Sprechtheater-Vorlage Kabale und Liebe von Friedrich Schiller – in der italienischen Originalsprache erleben konnten. Erst im Januar 1974 war es so weit - dafür aber in einer umso eindrucksvolleren Besetzung, die jetzt auf CD nachgehört werden kann. Lilian Sukis Christa Ludwig
 Lilian Sukis Malcolm Smith Fotos: FayerDas Orchester der Wiener Staatsoper wurde dabei von Alberto Erede zu einer Spitzenleistung geführt, wie sie bei frühen und mittleren Bühnenwerken des Meisters aus Busseto leider nur selten zu hören ist: farbenreiche und biegsame Tongebung durch alle Gruppen, beim Accompagnement der Solisten ebenso konturenscharf wie in den dramatischen Akzenten. Rücksicht auf die Protagonisten war kaum vonnöten: Lilian Sukis sang die Titelpartie des bürgerlichen Mädchens Luisa, die gleichsam als personifizierte Unschuld im Intrigenspiel der Adelsfamilie ihres Geliebten zugrund geht.  Lilian Sukis Giuseppe Taddei Foto: FayerDie Kanadierin, die bereits in den 60er Jahren an der New Yorker Metropolitan Opera aufgetreten ist, belegt hier eindrucksvoll, warum sie sich auch in Europa einen ausgezeichneten Ruf als lyrische Sopranistin erworben hat. Ihre schlank geführte, aber stets offen und frei schwingende Stimme ist ein Genuss in dieser Mädchenrolle, in der künstlich verbreiterte oder aufgesetzte Acuti doppelt schwer ins Gewicht fallen müssten. Mit durchaus jugendlich-heldischem Aplomb versieht dagegen Franco Bonisolli die Rolle des Grafensohns Rodolfo, jedoch ohne hier Nuancen und Eleganz des Vortrages zugunsten seiner brillanten (mitunter eingelegten) Spitzentöne zu vernachlässigen. Ideal besetzt als Miller ist Giuseppe Taddei, der sowohl für die zärtliche Vaterliebe zu Luisa die passenden Töne findet als auch für den Zorn auf die dem Stand nach Höherstehenden und diesen Vorteil schamlos Ausnützenden. Dass Verdi dem Grafen Walter für dieses Verhalten fast zu schöne Musik in den Mund gelegt hat, steht der autoritätsstarken Charakterisierung durch Bonaldo Giaiotti gleichwohl nicht im Weg. Und dass auch dieser Mächtige von seinem eigenen Sekretär manipuliert wird, wird durch nicht minder einprägsame Bass-Töne von Malcolm Smith evident. Diese wahrhafte luxuriöse Sängerschar vervollständigt Christa Ludwig als Verlobte Rodolfos, Federica; mit nur zwei Auftritten eine kurze, wiewohl mit dem unverwechselbaren Mezzosopran der Sängerin prägnant und menschlich zwischen Mitgefühl und Eifersucht gezeichnete Partie.
nach oben Januar 2010
ORFEO 1 CD C 764 091 A
Gottfried von Einem (1918-1996)
Der Kritik an vielen Komponisten des 20. Jahrhunderts, jeweils innerhalb ihrer stilistischen Schule die persönliche(n) Note(n) eingebüßt zu haben, kann als Vorwurf gegenüber Gottfried von Einem nicht erhoben werden. Zeitlebens hielt er an der Tonalität fest, gleichwohl ohne sich von konservativen Kreisen des Musiklebens vereinnahmen zu lassen. Auch wenn man sich schwertut, ihn als Avantgardisten zu bezeichnen, zeichnet sich sein Schaffen durch ein beharrliches Hinterfragen und Aufbrechen traditioneller musikalischer Formmodelle aus.  C 764 091 ASo war es ihm im Falle der Suite Dantons Tod wichtig, dass diese nicht nur als ein „Potpourri“ aus dem Bühnenwerk seines Durchbruchs (1947 bei den Salzburger Festspielen) wahrgenommen würde, sondern als eigenständiges Werk für den Konzertsaal. Als solches ist es auch in der neuen Orfeo-Einspielung mit dem RSO Wien und seinem designierten Chefdirigenten Cornelius Meister vertreten. Noch deutlicher unter dem Motto der Transformation stehen die Wandlungen, Gottfried von Einems Introduktion zu einem Divertimento für Mozart, das für die Donaueschinger Musiktage im Mozart-Jahr 1956 bei insgesamt zwölf Komponisten in Auftrag gegeben wurde.  Konstantin Lifschitz Foto: Serban MestecaneanuDer musikalischen Synthese unterschiedlicher Epochen – den Wandlungen liegt Mozart (mit Papagenos Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus der Zauberflöte) auch kompositorisch zugrunde – stehen die stilistischen Querverbindungen zu Jazz und Tanzmusik in nichts nach, um die Einem sein Klavierkonzert op. 20 bereichert hat. Als Solist der Neueinspielung zeigt Konstantin Lifschitz, warum er nicht nur als Bach-Pianist einen hervorragenden Ruf genießt. Auch bei der Interpretation von Musik des 20. Jahrhunderts fasziniert die Souveränität der Spieltechnik und die klare Strukturiertheit, mit der Konstantin Lifschitz Gottfried von Einems Klavierkonzert zu Gehör bringt. Sind das RSO Wien und Cornelius Meister hier präzise und dynamisch agierende Partner, so stehen sie in den verbleibenden Werken der neuen Orfeo-Kompilation wiederum (in bestechender Form) ganz für sich, um das Raffinement und die atmosphärische Dichte in Gottfried von Einems Œuvre zur Geltung zu bringen: und zwar im Nachtstück op. 29 und der auch ohne szenische Komponente äußerst effektvollen Suite nach dem Ballett Medusa op. 24.
nach oben Januar 2010
ORFEO 2 CD C 786 102 I
Albert Lortzing: Der Wildschütz
Im Vergleich mit der französischen Opéra comique hat die deutsche Spieloper keinen leichten Stand im Repertoire. Warum eigentlich? Einer der bekanntesten Vertreter dieser Gattung, Albert Lortzing (1801–1851), hat in seinen Bühnenwerken erfolgreich die verschiedensten Elemente vereinigt: witzige und zeitkritische Textbücher, große Ensembles von Mozart’schem Zuschnitt und romantisch anmutende Melodien und Orchesterfarben.  C 786 102 IAll dies bietet auch die Verwechslungskomödie Der Wildschütz, für die an der Wiener Staatsoper 1960 die Kräfte eines ausgewogenen und übersprühend witzigen Ensembles gebündelt wurden: Irmgard Seefried brillierte als Baronin und gleichsam „Vorfahrin“ der Lustigen Witwe, die in ständig wechselnden Verkleidungen einen neuen Mann sucht. Als hierfür in jeder Hinsicht passender Partner in der Rolle des Barons erwies sich einmal mehr Waldemar Kmentt mit strahlkräftig jugendlichem Tenor. Im Bariton Georg Völker hatte er als Graf einen Nebenbuhler, der zum Schluss ungebrochen nobel erkennt, um die eigene Schwester mitgeworben zu haben – ohne ein tragisches Ende dieser inzestiösen Verstrickung (während in eine solchen Völkers Vater Franz als Siegmund bei Richard Wagner oft für Furore gesorgt hat). Das gegenüber diesen Aristokraten „niedrige“ Figurenpersonal war im Wiener Wildschütz mit nicht weniger klangvollen Namen besetzt: Renate Holm als Gretchen verzückt noch in der Aufnahme mit klar fokussiertem Soubrettenton. Ziehen sich dem Sprichwort nach Gegensätze magisch an, so findet dies in der Rollengestaltung des überalterten Bräutigams und vermeintlichen Wildschützen durch Karl Dönch seine Entsprechung. Was Dönch, in der besten Buffo-Tradition, an deklamatorischer Präzision und Originalität einbringt, bestätigt den Ruhm des Wiener Opernensembles der Nachkriegsjahre vollends, der auf einer großen Dichte von unverwechselbaren Sängerpersönlichkeiten beruht. Heinz Wallberg am Dirigentenpult der Wildschütz-Premiere von 1960 kitzelte aus diesen Solisten, dem Chor und dem Orchester der Wiener Staatsoper gleichwohl das Maximum an Spielfreude heraus; und die (Dialog-)Regie von Adolf Rott macht auch das Anhören der bestens geprobten Sprechpassagen zu einem ungebremsten Vergnügen.
nach oben Dezember 2009
ORFEO 1 CD C 803 091 A
Andris Nelsons - Richard Strauss
Das Heldenleben zählt zu den brillantesten, eventuell aber auch (zumal beim ersten Hören) ein wenig sperrigen Tondichtungen von Richard Strauss an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.  C 803 091 ADie spätromantisch aufschäumende musikalische Sprache gleich zu Beginn, die tonal äußerst „freien“ Signaturen der Widersacher des Helden (wie sie im musikalischen Programm benannt werden), die Süße und Kapriolen, mit der Solovioline und Orchester die „Gefährtin“ charakterisieren, die folgenden martialischen und verklärenden Etappen – all dies kann leicht den Eindruck einer (mitunter autobiographisch begründeten) Überfrachtung durch den Komponisten entstehen lassen. Neben einem erstklassigen Orchester ist ein klar strukturierender, die Spannung aufrecht erhaltender und ebenso reaktionsschnell wie beharrlich am Detail arbeitender Dirigent vonnöten. So begreift Andris Nelsons seine Aufgabe und – setzt sie in seiner zweiten ORFEO-Einspielung mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra grandios um. Gemeinsam bringen das Ensemble und sein Music Director die orchestralen Farben zum Leuchten und die Abschnitte in einen mitreißenden musikalischen Fluss. Über die volle Distanz erhält dieses Heldenleben eine derartige Stringenz, dass so mancher ästhetische Einwand gegenüber dem Werk den Reiz im Einzelnen nur erhöht, nicht aber als Ganzes infrage stellt. Dass Nelsons zudem ein Meister des Übergangs im Musiktheater ist - und diesen ebenfalls auf dem Konzertpodium umzusetzen versteht –, belegt die Rosenkavalier-Suite. So unvermittelt für den Opernkenner hier einzelne Sequenzen und Höhepunkte der wohl bekanntesten „Komödie für Musik“ des 20. Jahrhunderts nebeneinander stehen: sie verschmelzen unter Nelsons’ Stabführung zur spontan (auch den „Einsteiger“) bezwingenden Geschlossenheit. Die Gefahr des Heldenlebens, sich zu weit in eine Richtung locken zu lassen, bevor unerwartete Wendungen quasi wie Ereignisse einen neuen Weg vorgeben, gibt sich in der Rosenkavalier-Suite als stilistisches Prinzip lustvoller Überraschung und Überrumpelung zu erkennen, die Andris Nelsons und „sein“ Orchester mit hörbarer Einsatzfreude ihrem Publikum bescheren.
nach oben November 2009
ORFEO 1 CD C 598 091 B
Irmgard Seefried
Heute würde man sie wohl unter der Bezeichnung der sängerischen „Allrounderin“ vermarkten: Zum einen war Irmgard Seefried eine gefeierte Opernsängerin, über deren Verkörperung des Komponisten in Ariadne auf Naxos an der Wiener Staatsoper dem Komponisten Richard Strauss die lobenden Worte zugeschrieben werden, er hätte vor Irmgard Seefrieds Interpretation gar nicht gewusst, wie gut sein Komponist sei.  C 598 091 BZum anderen war die lyrische Sopranistin, auf deren erstes Engagement 1940 in Aachen (mit Herbert von Karajan als Generalmusikdirektor) bereits drei Jahre später die Verpflichtung nach Wien folgte, eine der meistgefragten Konzert- und Liedinterpretinnen ihrer Zeit. Von frühester Jugend war es insbesondere die kleine und intime Form – die Möglichkeit, nur mit dem Pianisten als Partner dem Publikum musikalisch etwas „zu erzählen“ –, in der Irmgard Seefried ihr ganzes Spektrum an Farben des Ausdrucks entwickelt hat. Wie reich und variabel diese Palette bereits in den ersten Jahren ihres Wirkens in Wien war, belegen die vielen bis dato unveröffentlichten Aufnahmen auf der neuen CD bei Orfeo. Mit Viktor Graef und Leopold Ludwig (dem späteren Generalmusikdirektor der Staatsoper Hamburg und auch im angloamerikanischen Raum vielfach gefeierten Operndirigenten), vor allem aber mit Erik Werba als Begleiter hat Irmgard Seefried hier bereits ein repräsentatives Liedrepertoire berühmter, bisweilen aber auch (wieder) zu entdeckender Komponisten eingespielt. So beginnt die Zusammenstellung, der Chronologie der Aufnahmedaten nach, mit den Brautliedern von Peter Cornelius, in denen Irmgard Seefrieds exemplarische Wort- und Melodiebehandlung im hochromantischen Kunstlied voll zum Tragen kommen. Die Nähe und Berührungspunkte mit dem deutschen Volkslied bieten der gebürtigen Schwäbin willkommene Gelegenheiten, ihren Ton zusätzlich flexibel einzufärben; so bei Mozart, Brahms oder Wolf und den weniger bekannten Komponisten Wilhelm Kienzl und Joseph Marx. Zum Abschluss dieser akustischen Zusammenstellung aus dem ersten Wiener Schaffensjahrzehnt der Sängerin sind (z. B. mit Morgen oder Allerseelen) einige der beliebtesten Lieder von jenem Komponisten zu hören, von dessen hoher Meinung über Irmgard Seefried eingangs die Rede war, nämlich von Richard Strauss.
nach oben November 2009
ORFEO 2 CD C 785 092 I
Bedrich Smetana: Die verkaufte Braut
Die Aufführungsgeschichte von Bedrich Smetanas Verkaufter Braut erhielt in Wien einen wesentlichen Impuls. Hier feierte die Oper anlässlich der Weltausstellung 1892 ihren internationalen Durchbruch. In deutscher Übersetzung zählt das Werk zum beständig im Wiener Opernspielplan vertretenen Repertoire.  C 785 092 ISo stand in der Staatsoper 1959 eine Neuinszenierung des Regisseurs Günther Rennert auf dem Spielplan, die in der Folge regelrechten Kultstatus und insgesamt 90 Aufführungen erreichen sollte. Ein Jahr nach der Premiere waren Mikrophone und Aufnahmegeräte des Österreichischen Rundfunks zur Stelle, um die in den Hauptpartien unveränderte Besetzung akustisch zu verewigen. An der Spitze des Ensembles stand mit Irmgard Seefried eine vom Wiener Publikum besonders liebgewonnene Künstlerin, deren gesangliche Natürlichkeit für die Protagonistin Marie bis heute prädestiniert scheint. Außerdem hatte sie sich zum Zeitpunkt der Aufnahme, nach immerhin schon zwei Jahrzehnten Bühnenkarriere, die jugendliche Frische ihres Timbres bewahren können – beste Bedingungen also für die Marie. Zum Traumpaar ergänzte sie sich mit Waldemar Kmentt als Partner, der in der Tenor-Hauptpartie des Hans eine seiner (mit gutem Grund) meistgesungenen Rollen gefunden hat. Kernig in der Stimmführung, plastisch in der Diktion und mit strahlkräftiger Höhe vermittelt er glaubhaft sowohl den jugendlichen Liebhaber als auch den schlauen Hasardeur. Die Tragikomik seines stotternden Stiefbruders bringt Murray Dickie gekonnt und mit ebenfalls schönem Tenorklang auf den Punkt, ohne in buffoneskes Chargieren zu verfallen. Dass ihm der selbstverliebt prahlende Heiratsvermittler Kecal allen Ernstes die Braut als Maklerobjekt vermitteln will, macht mit Oskar Czerwenka eine weitere Wiener Opernlegende plausibel: auch diese Figur erhält durch den oberösterreichischen Bass und ausgewiesenen Komödianten ein unverwechselbares Profil. Überhaupt finden sich bis in die Nebenrollen z. B. mit Hilde Konetzni, Rosette Anday oder László Szemere gestandene Persönlichkeiten, die aus ihren Kurzauftritten das Maximum „herausholen“. Für die lebendige und dabei stets kontrollierte Gesamtleistung garantieren zudem der Chor und das Orchester der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Berislav Klobuèar, dem guten (und bisweilen sträflich unterschätzten) Geist unzähliger Wiener Repertoire-Aufführungen.
nach oben Oktober 2009
ORFEO 1 CD C 760 091 A
Petra Maria Schnitzer • Peter Seiffert: Richard Wagner
Es hieße wahrlich Eulen nach Athen tragen, würde man Petra Maria Schnitzer und Peter Seiffert in ausschweifenden Worten als das romantische Traumpaar schlechthin für Richard Wagners Musikdramen vorstellen. In den vergangenen drei Spielzeiten, in denen sie u. a. als Elisabeth und Tannhäuser in San Francisco, Barcelona oder Madrid sowie als Sieglinde und Siegmund in Florenz oder Valencia auf der Bühne gestanden sind, gab es für das Publikum reichlich Gelegenheiten, sich von dieser Konstellation zu überzeugen.  C 760 091 AAuch in der Spielzeit 2009/10, die mit gemeinsamen Tannhäuser-Vorstellungen beider in Berlin begonnen hat, steht wieder (aber nicht nur) viel Wagner im Terminkalender der zwei gefragten Gaststars vieler erster Häuser. Auch im Lohengrin ist Schnitzer wieder als Elsa, Seiffert als Titelheld zu erleben. Aus allen drei der nun genannten Werke Wagners singen die beiden Ausschnitte auf der bei ORFEO neu erschienenen CD mit dem Münchner Rundfunkorchester und seinem Chefdirigenten Ulf Schirmer. Die langjährige Beschäftigung beider mit ihren Rollen und die vielen gemeinsamen Auftritte sind den großen Solo- und Duoszenen durchgehend anzuhören. Wortverständlich und schön phrasiert ist Wagner hier so kantabel wie selten zu hören – vielleicht auch, weil Schnitzer und Seiffert ihre Karriere ohne Hast aufgebaut und sich erst als Mozartsänger bewährt haben, bevor sie sich Wagners Dramatik stellten. So wird der vom Komponisten selbst gewünschte Sprachgesang auf Linie und mit Melodie gewahrt und der verrufene Sprechgesang vermieden. Elsas Traum, das Brautgemach oder die Gralserzählung Lohengrins wird man zudem selten mit solchen Nuancen und feinen Lyrismen vernehmen, während die Hallenarie der Elisabeth aus Tannhäuser ebenso wie das folgende Duett mit jubelnden Höhen gekrönt wird und Tannhäusers Romerzählung Zerrissenheit und Trotz effektvoll, doch nie effekthascherisch zum Ausdruck kommt. Die große Szene des inzestiösen Zwillingspaares aus der Walküre wird zum würdigen Abschluss dieses Wagner-Recitals, zu dessen Gelingen auch Dirigent und Orchester weniger klanggewaltig als vor allem klangschön beitragen.
nach oben Oktober 2009
ORFEO 3 CD C 763 093 D
Felix Mendelssohn – The Complete String Symphonies
Dem Sprichwort nach ist bekanntlich kein Meister vom Himmel gefallen. Dem mag man freilich kaum glauben, wenn dieser Meister seine genialen Züge schon in so zartem Alter offenbart wie Felix Mendelssohn.  C 763 093 DBald schon, nachdem der Zehnjährige bei Carl Friedrich Zelter „in die Lehre“ gegangen war, sollte dieser vom jungen Mendelssohn überflügelt werden. Die dreizehn Streichersinfonien, entstanden zwischen 1821 und 1823, sind zum einen Dokumente dieses rasanten Reifeprozesses, zum anderen (und vor allem) bieten sie herrliche, virtuose und „galante“ Musik, die in dieser Hinsicht mitunter das Vorbild von Carl Philipp Emanuel Bach zu erkennen gibt. Doch auch dessen Vater und der Stil Händels scheinen bei den Streichersinfonien wiederholt Pate gestanden zu haben, besonders in den langsamen Sätzen, die mehrfach Choräle assoziieren und Mendelssohns spätere Meisterschaft in der Gattung des Oratoriums erahnen lassen.  Michael Hofstetter (li) Foto: Deniz SaylanDiese Mischung aus Traditionsverbundenheit und Zukunftsträchtigem kommt in der neuen Gesamteinspielung der Streichersinfonien mit dem Stuttgarter Kammerorchester, die bei ORFEO erschienen ist, besonders stark zur Geltung. Nicht umsonst ist das Repertoire des renommierten Ensembles in seiner mehr als ein halbes Jahrhundert währenden Geschichte kontinuierlich vom Barock bis hin zu zeitgenössischer Musik gewachsen. Flexible und differenzierte Spielkultur sind somit garantiert – zumal unter der Leitung des Chefdirigenten vom Stuttgarter Kammerorchester, Michael Hofstetter, der seinerseits ebenfalls in vielen Stilen zu Hause ist. Der Schwung des einleitenden Allegros der ersten Sinfonie zieht sich ebenso durch alle schnellen Sätze, wie die langsamen Sätze von einem kantabel schwingenden Duktus geprägt werden ? bis hin zu den Volksliedzitaten der beiden „Schweizer“ Sinfonien. Kontrapunkt und polyphone Gewandtheit bestimmen schließlich besonders die letzten beiden Sinfonien, in denen Komponist und Interpreten gleichermaßen spielerisch mit komplizierten Fugenthemen und -verläufen umzugehen verstehen. So wird diese Reihe von Jugendwerken gebührend und in jeder Hinsicht „meisterhaft“ beschlossen, wie auch dem Mendelssohn-Jahr 2009 noch ein weiterer kraftvoller Akkord hinzugefügt.
nach oben Oktober 2009
ORFEO 2 CD C 783 092 I
Giuseppe Verdi: Falstaff
Giuseppe Verdis Falstaff, die letzte Oper des Meisters aus Busseto, gehört zu den facettenreichsten (und sich wohl deshalb erst beim mehrmaligen Hören erschließenden)   Falstaff Foto: Wiener Staatsoper/Axel ZeiningerPartituren der Musikdramatik – zwischen Komik und Ernst, zwischen Kammerspiel und großer Ensembleoper und zwischen kluger Rückbesinnung auf die musikalische Tradition und geradezu avantgardistischer Kühnheit. Lange (bis 1893) reicht die Wiener Aufführungsgeschichte des Werkes zurück, und ebenfalls lange ist die Liste bedeutender Dirigenten, die den Falstaff an der Wiener Staatsoper dirigiert haben. Zu ihnen gehört auch Lorin Maazel, der 1983 im Haus am Ring seine Interpretation auf dieses Stück vorstellte: lustvoll die falschen Fährten für den Hörer auslegend und ihn im nächsten Moment überrumpelnd, kein orchestrales Detail auslassend und dabei stets den Kontakt zur Bühne wahrend.  C 783 092 IDenn dort war schließlich auch ein herrliches Sängerensemble versammelt, angeführt von Walter Berry, der im Spätsommer seiner Karriere mit dem dicken Sir John noch einmal eine Glanzrolle gefunden und für sich erobert hat. Jovialität und Nachdenklichkeit der Figur lagen ihm gleichermaßen in der Kehle wie auch die mal schalkhaften, mal impulsiven Temperamentsausbrüche. Objekt der Begierde und Gegenspielerin zu diesem dicken Ritter war die strahlkräftig und punktgenau akzentuierende Pilar Lorengar als Alice Ford, deren eifersüchtigen Ehemann Giorgio Zancanaro mit ungezügelt schneidigem Kavaliersbariton zeichnete. Als junges Liebespaar boten Patricia Wise und Francisco Araiza sich reizvoll – in ihrem silbrig-hellen und seinem dunkel getönten Timbre – ergänzende Klangschattierungen und in der geschmackvollen Natürlichkeit der Phrasierung einander entsprechenden Gesang. Auch Christa Ludwig ließ es sich mit ihrer wohlbekannten Interpretation der Mrs. Quickly nicht nehmen, Walter Berry und das Wiener Publikum augenzwinkernd zum Stelldichein im Hause Ford und unter Hernes Eiche zu locken. Dem Eindruck, dass die dortige Schlussfuge unter solchen Voraussetzungen tatsächlich alles auf Erden Spaß erscheinen lässt, sollte sich beim Anhören des Livemitschnitts nun wirklich niemand entziehen.
nach oben Oktober 2009
ORFEO 1 CD C 781 091 A
Daniel Müller-Schott: Schumann - Strauss - Volkmann - Bruch
Der romantischen und spätromantischen Konzertliteratur für das Violoncello als Soloinstrument hat sich Daniel Müller-Schott für seine neueste CD verschrieben: ein Erkundungsgang, der neben Bekanntem auch (Wieder-)Entdeckenswertes zutage fördert. Denn nachdem das Cello im konzertanten Zusammenhang nach der klassischen Epoche erst einmal aus der Mode geraten war, waren die Faszination und Kreativität der Komponisten auf diesem Gebiet nach dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts umso größer.  Daniel Müller-Schott Foto: Christine SchneiderFür Robert Schumann war die Komposition seines Cellokonzertes a-Moll op. 129 freilich mit großen Enttäuschungen verbunden – die Uraufführung hat Schumann selbst gar nicht mehr erlebt. Heute ist das Konzert mit seinem überaus spannungsvollen Geben und Nehmen zwischen Solist und Orchester und den Gegensätzen zwischen Zurückgenommenheit und Impulsivität äußerst präsent und beliebt bei Publikum und Interpreten. Von Spielfreude und homogenem Miteinander ist auch die Interpretation von Daniel Müller-Schott und dem NDR Sinfonieorchester Hamburg unter Christoph Eschenbach geprägt, dem das „Atmen“ beim gemeinsamen Phrasieren mit dem Solisten aus der eigenen reichen Erfahrung als Instrumentalist ebenso deutlich anzuhören ist wie aus der Welt der Oper.  C 781 091 ADer dramatischen Anlage der Musik Rechnung getragen wird so auch im wesentlich weniger populären Cellokonzert a-Moll von Schumanns Zeitgenossen Robert Volkmann, das zudem von überaus kantablen, melodiösen Themen und ihrer ausgereifter Verarbeitung lebt. Ergänzt wird die Zusammenstellung dieser Aufnahme durch zwei kürzere Stücke: zum einen Kol Nidrei op. 47 nach althebräischen Melodien von Max Bruch, dessen reiches Klangspektrum Daniel Müller-Schott, Christoph Eschenbach und das NDR Sinfonieorchester mit ungezügelter Emphase auskosten; zum anderen die Romanze F-Dur für Violoncello und Orchester von Richard Strauss, die trotz des geringen Alters des Komponisten (der das Werk als 19-Jähriger schrieb) bereits die Originalität späterer Tondichtungen ahnen lässt.
Weitere Details, Bilder und Hörbeispiele finden Sie unter "www.daniel-plays-schumann.com".
nach oben September 2009
ORFEO 1 CD C 597 091 B
Hilde Konetzni, Josef Krips: Lieder
Die Aufnahmebedingungen hätten kaum dramatischer sein können: Mitten im Kriegswinter 1942/43 spielte die jugendlich-dramatische Sopranistin Hilde Konetzni, die Kennern vor allem als Wagners Sieglinde in zwei Gesamtaufnahmen der Walküre unter Wilhelm Furtwängler bekannt ist, ein romantisches Liedprogramm ein – mit Josef Krips als Begleiter und Mentor. Im Zuge der „Arisierungs-Maßnahmen“ der Nationalsozialisten war der Dirigent mit Berufsverbot belegt worden und agierte als Korrepetitor gleichsam im Untergrund – der lebensbedrohlichen Situation zum Trotz.  C 597 091 BDie privat aufgenommenen, vom damaligen Toningenieur der Wiener Staatsoper Hermann May ausgesteuerten Aufnahmen sind nun auf CD verfügbar, dank sorgfältiger Restauration im Wiener Tonstudio Eichinger in Zusammenarbeit mit Gottfried Kraus. Vom klanglichen Ergebnis begeistert sein wird nicht nur, wer sich für Josef Krips’ legendäre Fähigkeiten bei der sorgsamen Einarbeitung von Sänger(inne)n in ihre Partien interessiert, die spätestens seit der Mozart-Pflege an der Wiener Staatsoper nach dem Zweiten Weltkrieg zum Vorbild für nachfolgende Generationen geworden ist. Mag man heute Schubert- oder Schumann-Lieder gemeinhin mit weniger Rubato und (im Falle von Hilde Konetzni) ohne das zeittypische Portamento singen, so gefallen und berühren die Interpretationen aller Lieder doch durch die Wärme und Unmittelbarkeit des gemeinsamen Musizierens, die auch bei weniger bekannten Komponisten wie Robert Franz oder Joseph Marx festzustellen sind. Und obwohl die Stimme von Konetzni überaus ausladend im Timbre ist, bleibt genügend Raum für pointierte Verspieltheit, etwa bei Hugo Wolf oder bei Richard Strauss. Die Zigeunermelodien von Antonín Dvorák schließlich sind Höhe- und Schlusspunkt eines Ton-Dokumentes, nicht nur für die epochentypische Liedinterpretation oder das Schaffen zweier Künstlerpersönlichkeiten, sondern auch für eine Freundschaft, die sich gegenüber den eingangs erwähnten Widrigkeiten behauptete und die in der häufigen Zusammenarbeit Hilde Konetznis mit Josef Krips als Dirigent, im Wiener Opernleben der frühen Nachkriegszeit, eine glanzvolle Fortsetzung – in aller Öffentlichkeit – erlebte.
nach oben September 2009
ORFEO 1 CD C 801 091 B
George London
Es ist kein Einzelfall, wohl aber bleibt es eine wohltuende Seltenheit, dass der jeweils führende Heldenbariton seiner Generation auch ein Meister der „kleinen“, subtilen Liedform ist. George London, der überragende Amfortas, Wotan und Holländer der späten 50er und frühen 60er Jahre, gehörte zu jenen stimmtechnisch ausgereiften und klug gestaltenden Sängern, die auch auf dem Konzertpodium begeistern konnten, ohne sich ausschließlich auf das (freilich reichlich vorhandene) Charisma zu verlassen.  C 801 091 BAuf dem Höhepunkt seiner allzu früh von mehreren Schicksalsschlägen zerstörten Karriere gab er im Theater an der Wien einen Liederabend – an jenem Ort, an dem er als Ensemblemitglied der „ausgelagerten“ Wiener Staatsoper den Grundstein zu seiner europäischen Karriere (und der späteren triumphalen Rückkehr auf den amerikanischen Kontinent) gelegt und rasch einige seiner Paraderollen (etwa Don Giovanni, Amonasro, die Bösewichter in Hoffmanns Erzählungen und Eugen Onegin) gefunden hatte. Dem Genius loci angemessen begann er mit der einer Gruppe von Liedern aus Franz Schuberts Schwanengesang, und zwar jener Abteilung nach Texten von Heinrich Heine, deren dramatische Grenzen London zwar – etwa im Atlas oder im Doppelgänger – durchaus auslotete, nicht aber überschritt. Auf Fjodor Schaljapins Spuren wandelte der (auch in Sachen Boris Godunow zwischen dem Moskauer Bolschoi und der New Yorker Met weltgereiste) Sänger bei den raffiniert hispanisierenden Chanson de Don Quichotte von Jacques Ibert. Vollends in seinem Element war er schließlich mit Modest Mussorgskis Liedern und Tänzen des Todes – Klanggemälde von schier archaischer Größe. Bei allen der drei Zyklen wurde Erik Werba seinem Ruf des bescheidenen, doch gleichwertigen Begleiters vollauf gerecht. Dem Mitschnitt des Österreichischen Rundfunks als Bonus angefügt sind bei Orfeo noch jene fünf Lieder von Henri Duparc, mit denen George London zehn Jahre zuvor erstmals als Liedinterpret, vor Aufnahmemikrophonen in seiner kanadischen Heimat dokumentiert worden ist.
nach oben August 2009
ORFEO 1 CD C 801 091 B
Salzburger Festspieldokumente 2009
Auch im Sommer 2009 wartet die Reihe der Salzburger Festspieldokumente,  C 799 091 Bin der seit 1992 bei Orfeo besonders denkwürdige Auftritte und Interpretationen der Festspiele auf CD erscheinen, wieder mit mehreren Neuveröffentlichungen aus verschiedenen Sparten auf. Erneut entfällt dieses Jahr ein starker Akzent auf die Kontinuität von künstlerischen Bindungen, ihre Ausgangspunkte und gelegentliche, erfreuliche Abweichungen vom Gewohnten: zu letzteren wäre beispielsweise die Neuedition des ersten und einzigen Salzburger Festspiel-Liederabends zu rechnen, den Lisa Della Casa 1957 im Mozarteum mit Arpad Sándor am Flügel gab. Nicht nur als Strauss-Interpretin, sondern auch als meisterhafte Gestalterin des (spät-)romantischen Kunstliedes von Schubert bis hin zu Wolf und einiger Volksliedbearbeitungen von Brahms und Ravel konnte sich die legendäre Schweizer Sopranistin, die im Februar diesen Jahres ihren 90. Geburtstag gefeiert hat, hier profilieren und zu Recht feiern lassen.
Ebenfalls  C 798 091 Bim Mozarteum gab ein Jahr später Pierre Fournier, in einem Solistenkonzert mit Franz Holetschek als Klavierpartner, seinen verspäteten Einstand bei den Festspielen – und bestätigte seinen Ruf als „Aristokrat des Cellos“, der sich an einem Abend souverän so unterschiedlichen Herausforderungen wie der Kantabilität von Brahms’ Cellosonate op. 99, dem Furor und der technischen Waghalsigkeit von Kodálys op. 8 und Debussys klassizistischer Formgebung in seiner Cellosonate von 1915 stellen konnte – und dieses Programm noch mit Tschaikowskys Rokoko-Variationen krönte. Kein Wunder, dass Fournier nach diesem glanzvollen Debüt auch in den folgenden Jahren ein gern gesehener (und gehörter) Gast an der Salzach war.
Ein  C 795 091 Bweiteres Debüt der Festspielsaison 1958 betraf gleich ein ganzes Symphonieorchester, und zwar mit dem Concertgebouw Orkest Amsterdam eines der weltweit renommiertesten und flexibelsten der Zunft. Am ersten Abend einer Debütserie von fünf Konzerten spielten die holländischen Gäste ein reines Mozart-Programm mit den beiden g-Moll-Symphonien KV 183 und KV 550 sowie dem Es-Dur-Klavierkonzert KV 449. Hochpräzise bei der Vorgabe der Phrasierung bestätigt sich Wolfgang Sawallisch auch noch im Livemitschnitt als Mozart-Interpret von großem Format (nachdem er im Jahr 1957 als Tristan-Dirigent bereits auf dem Grünen Hügel gefeiert worden war). Als Pianist bereits in vergleichbarem Ruf stand Friedrich Gulda, der gemeinsam mit Sawallisch im Klavierkonzert einen Ruhepunkt setzte, und so den virtuosen Erwartungen, bereits ein wenig im Stile des musikalischen „Chamäleons“ späterer Jahre, begegnete.
Unerschütterlich  C 796 091 Bmonumental muten demgegenüber die Salzburger Auftritte von Wilhelm Backhaus an, den es im Jahr seines 125. Geburts- und 40. Todestags 2009 doppelt zu würdigen gilt. Mit den Wiener Philharmonikern unter Karl Böhm sind im Archiv des Österreichischen Rundfunks zwei Klavierkonzerte erhalten und nun auf CD gebannt, die Backhaus 1960 und 1968 im Großen Festspielhaus gespielt hat – in hohem Alter, aber ohne künstlerische Kompromisse. Mozarts letztes Klavierkonzert B-Dur KV 595 spielt Backhaus äußerst delikat und gleichsam entrückt, während er es in Brahms 2. Klavierkonzert, wo es vonnöten ist, nicht im Entferntesten an wuchtigem Akkordspiel und donnernden Tastenläufen fehlen lässt. Mit einem nicht weniger mit den Partnern (und sich selbst) strengen Klangarchitekten wie Karl Böhm gerät dabei gleichwohl nie die sorgfältige Strukturiertheit ins Hintertreffen, die Brahms’ Konzert durchgehend zugrunde liegt.
Dass  C 793 093 Ddie Arbeit am „unmöglichen Kunstwerk“ Oper gelegentlich des ordnenden Zugriffs eines starken künstlerischen Leitungsteams bedarf (und sich dieser bezahlt macht), zeigt die Fassung von Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, mit der James Levine und Jean-Pierre Ponnelle Anfang der 80er Jahre das Festspielpublikum im Bann hielten. Im zweiten Jahr nach der Premiere, 1982, stand ein Plácido Domingo in Bestform als Protagonist auf der Bühne des Großen Festspielhauses – mit zwei brillanten jungen Partnerinnen: Catherine Malfitano stellte sich erfolgreich der Dreifach-Belastung, an einem Abend Olympia, Antonia und Giulietta zu singen; Ann Murray war in der Doppelrolle Muse-Nicklausse und ihren zum Zeitpunkt der Aufführung noch weitgehend unbekannten, von Fritz Oeser neu editierten Solonummern eine Idealbesetzung. Mit dem überaus gestaltungsfreudigen José van Dam in den Partien der Bösewichter und dem untrüglichen Theaterinstinkt James Levines am Pult der Wiener Philharmoniker wurde die Opéra fantastique im doppeltem Wortsinne Realität.
Ein an den  C 794 092 Iliterarischen Naturalismus und musiktheatralen Verismo anknüpfendes Bühnenwerk hat Hans Werner Henze 1990 mit dem Verratenen Meer nach Yukio Mishimas Roman Gogo no Eiko komponiert. Unter dem Originaltitel und in der Originalsprache dieser Vorlage entstand auf Anregung des Dirigenten Gerd Albrecht hin eine Neufassung, die bei den Festspielen 2006 präsentiert wurde. Unter Albrechts Leitung brachte das Orchestra Sinfonica Nazionale della Rai die an Klangfarben schillernde Partitur kongenial zum Klingen – das Spektrum reicht von exotischen Anklängen über Großstadtimpressionen bis zu den Stimmungsbildern einer Liebesgeschichte und des Dramas um Jugendgewalt, die bis zur unheilvollen Kollision am Ende der Oper stetig enger miteinander verflochten werden. Mit der Sopranistin Mari Midorikawa, dem Tenor Jun Takahashi und dem Bariton Tsuyoshi Mihara ist ein Sängertrio zu hören, dass das fatale Dreiecksverhältnis von Mutter, halbstarkem Jugendlichen und Stiefvater stimmdarstellerisch packend umsetzt; ein weiterer Beweis für die bei den Salzburger Festspielen nie außer Acht gelassene Repertoire-Erweiterung, die spannungs- und qualitätsvolle Gegenüberstellung von Altem und Neuen.
nach oben August 2009
ORFEO 2 CD C 692 092 I
Gemeinsame Pressekonferenz von ORFEO und den Bayreuther Festspielen am 8. August 2009 in Bayreuth
Nur in einem Jahr hat  C 692 092 IHans Knappertsbusch den Fliegenden Holländer auf dem Grünen Hügel dirigiert, und außerordentlich mutet die Eröffnungsvorstellung der Festspiele 1955 auch in der Rückschau an. Zugleich war dieses früheste Werk der Bayreuther Zehn zum ersten Mal in der Nachkriegszeit im Festspielhaus zu erleben, und alle im Vorfeld geführten Diskussionen um die Festspieltauglichkeit der romantischen Oper schienen angesichts der Qualität der Aufführung hinfällig.  Christiane Delank (li.) bei der Pressekonferenz mit Eva Wagner-Pasquier Foto: Jörg SchulzeIn Wolfgang Wagners Inszenierung glänzte vor allem ein Protagonisten-Trio, das bis heute jedem Vergleich standhält. Astrid Varnay, als Hochdramatische in Bayreuth längst arriviert, zeichnete auch von der Mädchenfigur Senta ein Porträt von beeindruckender stimmdarstellerischer Vielschichtigkeit. Man mag in dieser Partie gelegentlich ein jugendlicheres Timbre vernommen haben, selten aber wohl eine Ballade mit diesem überzeugenden Tonfall der Faszination bis hin zur Besessenheit, ein derartig emphatisch gesteigertes Duett mit dem Holländer oder ein Finale mit solcher Entschlossenheit im Ausdruck, wie es hier zu hören ist. Mit Hermann Uhde, in vielen Aufführungen des Lohengrin oder der Götterdämmerung ein stimmgewaltiger Partner der Varnay, war auch die Titelpartie des Holländers mustergültig in Stimmführung und Expressivität besetzt, zudem im Volumen stets den breiten Tempi und spannungsvoll extremen dynamischen Unterschieden in Knappertsbuschs Dirigat gewachsen. Wie jene Knappertsbuschs waren Wolfgang Windgassens Auftritte im Fliegenden Holländer auf dem Grünen Hügel handverlesen – er profilierte die gelegentlich unterbesetzte, nicht unbedingt dankbare Partie des Erik mit seiner unnachahmlich intensiven Gestaltung der Einheit von Wort und Ton. So wurde aus dem zurückgesetzten Geliebten ein wirklicher Gegenspieler zum Holländer. Die richtige Mischung aus sängerischer Erfahrung und genügend Reserven für die Autorität erfordernden Auftritte des Daland brachte Ludwig Weber mit. Auch Elisabeth Schärtel als Mary verlieh ihren Mahnungen strenge Präzision, während Josef Traxel als Steuermann mit derartiger tenoraler Frische und Leuchtkraft zu Werke ging, dass sein Aufstieg zum Erik im folgenden Jahr in der Rückschau nur folgerichtig erscheint. Es versteht sich beinahe von selbst, sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass der von Wilhelm Pitz einstudierte Chor der Festspiele ebenfalls unter Knappertsbuschs stets den Überblick bewahrender Stabführung zur Höchstform auflief, und die in jeder Hinsicht festspielwürdigen Leistungen komplettierte.
nach oben Juli 2009
ORFEO 1 CD C 642 091 A
Auf seinen Englandreisen zwischen 1791 und 1795 erfreute sich Joseph Haydn nicht nur wachsender Popularität, sondern kam auch auf den Geschmack, was das Arrangieren diverser Volkslieder Großbritanniens anbelangte. Zum Haydn-Jubiläum ist nun eine Auswahl der schottischen Lieder mit der seit Jahren auf den internationalen Konzertpodien und Opernbühnen gefragten Sopranistin Julie Kaufmann auf CD erhältlich – und mit dem Münchner Klaviertrio, von dem bereits eine Auswahl schottischer und walisischer Lieder (mit dem Tenor James Taylor) bei Orfeo erschienen ist. Wie so häufig entzückt Haydns Originalität, wenn es darum geht, die ihm überlieferten Texte und Melodien mit unerwarteten harmonischen und rhythmischen Wendungen zu versehen.  C 642 091 ABestens versteht es Julie Kaufmann – mit ihrem feinen lyrischen Sopran und ihrer exemplarischen Diktion –gemeinsam mit dem ideal aufeinander abgestimmten Münchner Klaviertrio, das Vergnügen daran noch zu steigern, indem sie lustvoll und augenzwinkernd die Momente tänzerischer Beschleunigung und Verlangsamung auskosten. Als Beispiele hierfür seien nur die textlich leicht frivolen Lieder wie Fee him, father oder Maggy Lauder angeführt. Ernstere, besinnlichere Töne werden beim ersten Band der Original Canzonettas, sechs Liedern nach Gedichten von Anne Hunter, angeschlagen, für die Julie Kaufmann mit ihrer reichen Bühnenerfahrung die passenden Ausdrucksnuancen bereithält, sei es für die Hoffnungen, sei es für die Enttäuschungen der Liebe. Zudem wird das Programm durch zwei Klaviertrios ergänzt, die beide als für die Gattung Maßstab setzend bezeichnet werden können. Verblüfft das Trio C-Dur Hob. XV:27 durch sorgsam ausbalancierte Entwicklungsstadien und -übergänge, so reißt das „Zigeuner“-Trio G-Dur Hob. XV:25 nicht nur durch das abschließende „Rondo in the gipsies’ style“ mit (dem es seinen Beinamen verdankt): liedhaft und melodisch eingängig ist sowohl der Variationssatz zu Beginn als auch der langsame Mittelteil, der dem wirbelnden Finale vorangeht – wie zugeschnitten auf die mehrfach gepriesene Homogenität, Präzision und lebendige Phrasierung des Münchner Klaviertrios.
nach oben Juli 2009
ORFEO 1 CD C 779 091 A
Adrianne Pieczonka
Der Terminkalender von Adrianne Pieczonka in den nächsten Monaten macht es deutlich – u. a. Tosca in San Francisco, Desdemona in München, der Sopranpart in Verdis Requiem in der New Yorker Carnegie Hall und die Amelia in Simon Boccanegra an der Metropolitan Opera an der Seite von Plácido Domingo: Längst ist die in aller Welt gefeierte Wagner- und Strauss-Interpretin auch international gefragt im italienischen Fach. Allein angesichts ihrer – stets an der belcantistischen Richtschnur des Legato-Gesangs ausgerichteten – Stimmführung und der exemplarischen Diktion nimmt dies freilich nicht wunder; und es ist nur konsequent, dass sie ihr neues und zweites Recital bei ORFEO mit einem reinen Puccini-Programm bestreitet.  C 779 091 AVon seinem Opernerstling Le Villi bis zum Spätwerk Turandot führt Adrianne Pieczonkas musikalischer Streifzug durch die Sopranrollen des Meisters aus Lucca. Abwechselnd, bisweilen gleichzeitig um Sehnsucht, Liebe und Tod kreisen die Monologe und ariosen Aufschwünge, für die Adrianne Pieczonka hier ihren aufblitzenden Sopranstrahl mit der aufblühenden Höhe, dort fein mattierte Färbungen und Nuancen wohlüberlegt und mit größtem dramatischen Instinkt in die Wagschale wirft – und durchgehend einen schlanken, sehnigen Ton ohne übertriebenes Pathos (wie gelegentlich bei Puccini auf den Opernbühnen zu hören) pflegt. Diesen Ansatz der musikalischen Gestaltung teilt Dan Ettinger am Pult des Münchner Rundfunkorchesters mit ihr. So wird Adrianne Pieczonka, obgleich sie mühelos mit der erforderlichen Dramatik der Titelpartien von Madama Butterfly oder Tosca auftrumpfen kann, auch stets dem lyrischen Stimmideal gerecht – im augenzwinkernden „O mio babbino caro“ der Lauretta in Gianni Schicchi, beim zurückgenommenen Schmerzenston der Protagonistin von Suor Angelica, der Raffinesse von Magda in La Rondine oder in den vom so Publikum geliebten, beseelten Phrasen einer Mimì oder Liù. Das Gebet der Tosca schließlich ist mittlerweile ein Höhe- und Fixpunkt im Repertoire von Adrianne Pieczonka, wie überhaupt die komplette Rolle, in der sie sich bereits mit den Juwelen der Callas, aber keineswegs mit fremden Federn geschmückt hat: denn das hat sie als vollkommen eigenständige Puccini-Sängerin des auf dieser CD an den Tag gelegten Kalibers wahrlich nicht nötig.
nach oben Juni 2009
ORFEO 1 CD C 778 091 A
Arabella Steinbacher
Selten ergibt sich eine dermaßen stimmige Konstellation, die dann auch noch künstlerisch so überragend genutzt wird: zwei Werke, die auf ganz unterschiedliche Weise die Gattung des Violinkonzertes revolutioniert haben, mit einer Solistin und einem Dirigenten der jungen Generation, beide gleichwohl bereits international arriviert.  C 778 091 AArabella Steinbacher hat bei ORFEO die Violinkonzerte von Ludwig van Beethoven und Alban Berg eingespielt, zum zweiten Mal (nach den Schostakowitsch-Konzerten) mit Andris Nelsons am Dirigentenpult, diesmal des WDR Sinfonieorchesters Köln. Alle Beteiligten lassen keinen Zweifel daran, warum sie als im klassisch-romantischen und im modern-avantgardistischen Repertoire gleichermaßen zuhause gelten. Gemeinsam bringen sie das Formbewusstsein klar und deutlich zum Ausdruck, von dem sowohl Beethovens als auch Bergs Konzert, freilich unter gänzlich unterschiedlichen Voraussetzungen, bestimmt sind. Die klare Struktur, wie auch die Momente der Trauer und der Verklärung in Bergs „Dem Andenken eines Engels“ gewidmetem Konzert, setzen Arabella Steinbacher und Andris Nelsons bezwingend und berührend um. Folgerichtig klingt der Brückenschlag von der Spätromantik zur Moderne, vom Bach-Zitat zur Schönbergschen Reihentechnik, bewegend gerade in der Schlichtheit, Reinheit und Differenziertheit von Arabella Steinbachers Geigen-Ton, im makellosen Zusammenspiel mit dem Orchester. Beethovens wegweisender, gut ein-einviertel Jahrhundert vorher zu datierender Stil, Violin- und Orchesterstimmen gleichberechtigt ineinander zu verweben, inspiriert Solistin, Dirigent und Orchester zu äußerst farbenprächtigem, durchaus romantischem, nie an Elastizität einbüßendem oder überladen anmutendem Musizieren. Fritz Kreislers Kadenzen wirken im agogischen und dynamischen Gesamtzusammenhang der Interpretation organisch und als bravouröse Steigerungen vollkommen passend – auch sie sind Teil der Traditionslinie, in die Beethoven und Berg hier so überzeugend gerückt werden und innerhalb derer Arabella Steinbacher als Interpretin auf allen großen Konzertpodien der Welt keinen Vergleich scheuen muss.
nach oben Juni 2009
ORFEO 1 CD C 780 091 A
Publikum, Presse und Veranstalter sind sich einig, dass Andris Nelsons über alle Qualitäten verfügt, die ein großer Dirigent aufbieten können sollte.  Andris Nelsons Foto: Marco BorggreveInnerhalb weniger Spielzeiten hat er sowohl bei vielen der bedeutendsten Konzertorchester, zwischen Amsterdam und Philadelphia, als auch in großen Opernhäusern wie der Wiener Staatsoper für Furore gesorgt. Für die erste ORFEO-CD des jungen Letten mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dessen Chefdirigent Nelsons seit vergangenem Jahr ist, stellt er sein vielseitiges Können mit Pjotr Iljitsch Tschaikowsky unter Beweis, genauer: mit der 5. Symphonie und der Fantasie-Ouvertüre Hamlet. Nelsons’, beispielsweise in der Financial Times gerühmter „ausgeprägter Sinn für musikalische Architektonik und dramatische Höhepunkte“, kommt nicht nur in der kontrast- und klangfarbenreichen Ouvertüre nach Shakespeare voll zur Geltung.  C 780 091 AMan spürt, dass Andris Nelsons seit seiner Jugend von der russischen Musik geprägt und fasziniert ist – und darüber hinaus von der überwältigenden Emotionalität und dem persönlichen Bekenntnischarakter in Tschaikowskys Musik, die sich in Nelsons Augen, im Unterschied zum Appell an die Allgemeinheit bei Beethoven oder Wagner, an jeden Einzelnen richtet. Die verschiedenen Varianten des Schicksalsmotiv von Tschaikowskys Fünfter begreift und entwickelt Nelsons ganz klar als Stationen einer Krise des Genies, dessen Zweifel auch im vordergründig triumphalen Schlussmarsch nicht vollends ausgeräumt sind – und als feine Zwischentönen bis zum Ende mitschwingen und -tönen, wie sie Nelsons gemeinsam mit dem CBSO auffächert – beiderseits ohne Furcht vor dem künstlerischen Risiko. Zwischen den Instrumentengruppen werden die Phrasen in den Mittel- und Nebenstimmen immer weiter ausgesponnen, mit Staunen erregender Flexibilität der Tempogestaltung und der Feinabstimmung innerhalb eines scheinbar unbegrenzten Klangspektrums. Ob Streicher, Holz- oder Blechbläser: durch alle Gruppen ist die Freude und Fähigkeit zur gemeinsamen Gestaltung mit Nelsons zu spüren, das Musizieren „auf einer Wellenlänge“, gespeist aus der gleichen ungebändigten Energie, die dieser zukunftsträchtigen musikalischen Partnerschaft zugrunde liegt.
nach oben Mai 2009
ORFEO 2 CD C 761 092 A
Felix Mendelssohn - Early Concertos for Violin and Piano
Jugend und Reife – das könnte das Motto der ersten neuen Orfeo-Einspielung zum Mendelssohn-Jahr 2009 mit dem Stuttgarter Kammerorchester und seinem Chefdirigenten Michael Hofstetter sein.  Dinorah Varsi und Alexander Sitkovetsky bei der Probe Foto: Denis SaylanZwischen 1821 und ’23, unter dem frischen Eindruck der Bekanntschaft mit Goethe in Weimar, vermittelt durch seinen Kompositionslehrer Zelter (den er schon bald überflügeln sollte), komponierte der Knabe Felix Mendelssohn seine ersten Konzerte, das Doppelkonzert für Violine, Klavier und Orchester sowie für beide Instrumente je ein Solokonzert ohne Opuszahl (nicht zu verwechseln mit den beiden späteren Klavierkonzerten und dem Violinkonzert op. 64). Das kompositorische Können und die frühe Reife von Mendelssohn sind frappierend, obgleich sie weniger seinen Ruf als romantischer Musiker festigen, als vielmehr auf musikalische Vorbilder wie Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Philipp Emanuel Bach oder Johann Nepomuk Hummel verweisen. Von Stück zu Stück scheint sich zudem die Originalität Mendelssohns in der Exposition und Verarbeitung der Themen zu steigern, wie auch die Handhabung der Form immer freier und eigenständiger wird.  C 761 092 AWas nun die Aufnahme anbelangt, ist die Konzentriertheit und Transparenz des Ensemblesatzes beim Stuttgarter Kammerorchester und Michael Hofstetter in den besten Händen – während die Besetzung der Solisten sich quasi ideal zum eingangs aufgestellten Motto fügt. Da ist zum einen Dinorah Varsi, die sich der Klassizität von Mendelssohns Klavierbehandlung mit unverminderter Frische stellt – sowie der gebotenen Souveränität in den rasanten Läufen, Trillerketten und Oktavparallelen. Und da ist zum anderen Alexander Sitkovetsky, der bereits im Alter von acht Jahren von Yehudi Menuhin (der im Übrigen das frühe Mendelssohn-Violinkonzert wiederentdeckt und als Interpret bekannt gemacht hat) gefördert wurde und noch mit diesem als Dirigenten Mendelssohn im Konzert gespielt hat. Zwischen „galantem“ und französischem Stil bewegt sich Sitkovetsky gleichermaßen gewandt und zieht ebenso wie und gemeinsam mit Dinorah Varsi im Doppelkonzert schließlich alle virtuosen Register, wobei die Musik stets natürlich ausschwingt und atmet; ein Muss für alle, die das Jugendwerk Mendelssohns grundsätzlich oder näher kennenlernen wollen.
nach oben Mai 2009
ORFEO 1 CD C 782 091 A
Simona Saturová - Haydn Arias
Auf den Konzertpodien hat sich Simona Saturová weltweit bereits mit ihrem kristallklaren, äußerst beweglichen Sopran etabliert und mit Dirigenten wie Christoph Eschenbach, Sir Neville Marriner, Jirí Belohlávek oder Manfred Honeck zusammengearbeitet. Aber auch in der Opernwelt hat sie von Prag aus bereits auf den internationalen Bühnen reüssiert, beispielsweise in Paris, Buenos Aires oder Frankfurt. Wer das Fach der Lyrischen mit Koloratur so virtuos und stimmlich warm timbriert bedienen kann wie Simona Saturová, ist gewissermaßen dazu berufen, mit ihrer Kunst den diesjährigen Jubilar der Wiener Klassik, Joseph Haydn, in seinen Vokalkompositionen zu repräsentieren und zu würdigen.  C 782 091 AAllein schon in den Sopranpartien erweist sich die Qualität von Haydns Opern und Oratorien, die, abgesehen von der Schöpfung und den Jahreszeiten, gelegentlich noch immer stiefmütterlich betrachtet werden – zu Unrecht, wie sich gleich bei den Arien aus L’anima del filosofo/Orfeo ed Euridice bestätigt. Sie stehen am Anfang von Simona Saturovás CD mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter der Leitung von Alessandro De Marchi, seines Zeichens Spezialist für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein regelrechtes Feuerwerk von Koloraturen zündet Simona Saturová in der Arie des Genius aus L’anima del filosofo, um in den Arien der Eurydike lyrische Schlichtheit und Ausdrucksintensität zu offenbaren. Die Synthese dieser Vortragsmöglichkeiten bietet sowohl eine Arie aus der vielleicht bekanntesten Haydn-Oper – Armida, zugleich ein Gipfelwerk aus Haydns drei Jahrzehnte währender Anstellung als Kapellmeister auf Schloss Esterháza. Die gleiche Flexibilität verlangt die Scena di Berenice (Szene der Berenice) nach dem Antigono-Libretto von Pietro Metastasio, die Haydn in seiner Londoner Zeit als einen großen dramatischen Monolog für den Konzertsaal (vergleichbar Beethovens Sopranarie Ah, perfido!) komponiert hat. Eine schwerelos-leichte, charmante Tongebung findet Simona Saturová für die Welt auf dem Mond, Il mondo della luna – eine der frühen, heiteren Opern Haydns für den Hof der Fürsten Esterházy. Wie auch in dem Oratorium Il ritorno di Tobia und dem „dramma giocoso” Orlando paladino besticht hier die der Mozartschen vergleichbare Formanlage, die sich neben der souverän und schön gesungenen vokalen Linie auch in der nicht minder gekonnt umgesetzten Orchesterbehandlung durch Haydn bewährt. Was will man mehr zum Haydn-Jahr?
nach oben Mai 2009
ORFEO 1 CD C 770 091 B
Waldemar Kmentt
Er war schon 1955 als Jaquino dabei, als sich in der neu erbauten Wiener Staatsoper der Vorhang zur Wiedereröffnung mit Beethovens Fidelio hob. Und er war in Charakterrollen wie als Mirko Zeta in der Lustigen Witwe noch bis zur Jahrtausendwende international zu erleben. Dazwischen liegen unzählige, glanzvolle Auftritte des Tenors Waldemar Kmentt auf den größten Opernbühnen der Welt. Vom lyrischen Tenor bis an die Fachgrenze zum jugendlichen Heldentenor gibt es schier keine Partie, die er nicht gesungen hat. Das Porträt zu seinem 80. Geburtstag spiegelt diese Vielseitigkeit eindrucksvoll wider, mit Kostproben aus Rollen, in denen er an der Wiener Staatsoper zu erleben war: sie blieb auch zur Zeit seiner Gastspiele zwischen Bayreuth und Buenos Aires stets sein Stammhaus, wo er zum Kammersänger und schließlich zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Beweglichkeit und glanzvolles Timbre seiner Stimme waren die Basis dafür, dass Kmentt sowohl im legendären Mozart-Ensemble unter Karl Böhm als auch als ‚italienischer‘ Tenor (zeitbedingt meistens noch in deutscher Sprache) gerne und viel im Haus am Ring eingesetzt wurde.  Waldemar Kmentt als Faust Foto: Fayer, Wien Waldemar Kmentt als Hans Foto: Fayer, Wien Waldemar Kmentt als Ramiro Foto: Fayer, WienSo ist im Porträt neben seinem Idomeneo der Ferrando aus Così fan tutte zu hören, ebenso wie der Don Ramiro aus La Cenerentola. Weniger bekannt ist, dass Kmentt in den 60er Jahren verstärkt auch das französische Fach gesungen hat, im Falle des auf der CD vertretenen Faust von Gounod unter Georges Prêtre sogar in der Originalsprache. War hier Wilma Lipp seine Partnerin, so belegt das Duett aus Offenbachs Hoffmanns Erzählungen mit Anja Silja unter Josef Krips Kmentts ausgeprägtes Talent zum gemeinsamen Musizieren. Das wird ebenso in Janacéks Jenufa an der Seite von Sena Jurinac deutlich wie schließlich im Dialog mit Peter Webers Musiklehrer in Strauss’ Ariadne auf Naxos: hier, in einem Mitschnitt von 1996 unter Horst Stein ist die Präzision und Kunst der Stimmdarstellung von Waldemar Kmentt noch in der Sprechpartie des Haushofmeisters deutlich hörbar. Kein Wunder, dass er unter diesen Voraussetzungen auch in weniger gespielten Werken wie als Pylades in Iphigenie auf Tauris von Gluck und der klassizistischen Tonsprache von Strawinskys The Rake’s Progress stimmschön und zugleich markant die Figuren charakterisierte – und dass er zudem in gefürchteten Kurzeinsätzen wie als Sänger in Strauss’ Rosenkavalier brillieren konnte, wie in der Wiener Premiere der Oper 1968 unter Leonard Bernstein. Mit dieser Arie endet der Querschnitt durch die rekordverdächtige, vom bis heute bescheidenen Sänger jedoch nie auf bloße Effekte hin angelegte Tenorkarriere.
nach oben April 2009
ORFEO 2 CD C 777 082 H
Dvorák: Die Teufelskäthe
Nach der MIDEM Classical Award-prämierten Gesamtaufnahme von Král a uhlír („König und Köhler“) erscheint mit Cert a Kaca, der „Teufelskäthe“, nun eine weitere Folge im Dvorák-Opernzyklus unter der musikalischen Leitung von Gerd Albrecht und mit dem WDR Sinfonieorchester Köln.  C 777 082 HZugrunde liegt Cert a Kaca die amüsante, auf einem tschechischen Märchen beruhende Geschichte von der zänkischen Käthe, die sich von einem tölpelhaften Teufel „im Außendienst“ in die Hölle verschleppen lässt – mit für seinen Teil verheerendem Ergebnis. Nutznießer dieser liaison dangereuse sind der schlaue Hirte Jirka und eine anfangs von ihrem Volk nicht eben wohlgelittene Fürstin. Für alle diese Figuren stehen Gerd Albrecht Dvorák-erprobte internationale Spitzensänger zur Verfügung, angefangen mit Michelle Breedt, die als Titelheldin mit hörbarem Vergnügen ein komisches Gegenbild zu ihren seriösen Mezzo-Rollen wie etwa ihrer Bayreuther Fricka gestaltet. Peter Mikulá besteht als bedauernswerter Teufel Marbuel vor diesem Temperamentsbündel mit unvermindert fülligem Bass – ebenso wie vor der bedrohlichen Klangfarbe seines Stimmfach-Kollegen Arutjun Kotchinian als Luzifer. Man atmet regelrecht mit der Fürstin auf, dass sie zu guter Letzt nicht die Beute dieses Oberteufels wird – zumal ihr Olga Romanko mit leuchtkräftigem Verdi-Sopran das nötige dramatische Gewicht verleiht und Sympathie zu gewinnen versteht. Und als Jirka belegt Peter Straka ein weiteres Mal, dass er mit seinem stimmschön und idiomatisch geführten Tenor in der tschechischen Opernliteratur weltweit seinesgleichen sucht. Unbedingt hervorzuheben sind die ebenfalls zum wiederholten Male an Albrechts Dvorák-Zyklus mitwirkenden Chöre, der WDR Rundfunkchor Köln und der Prager Kammerchor. Sie tragen erheblich dazu bei, dass die von Dvorák mit mitreißend volkstümlichen Tanz- und Marschrhythmen grundierten Massenszenen auch bei jedem Hörer den Funken überspringen lassen.
nach oben März 2009
ORFEO 2 CD C 767 092 I
Puccini - Madama Butterfly
Puccinis Madama Butterfly, die bei ihrer Uraufführung an der Mailänder Scala im Jahr 1904 ein totaler Misserfolg gewesen war, sodass der Komponist die Oper für spätere Aufführungen in Brescia und Paris umarbeiten musste, ist seitdem immer für einen großen Opernabend gut – vor allem, wenn, wie im Fall des vorliegenden Mitschnitts von 1961, eine große Sängerpersönlichkeit im Mittelpunkt steht: Sena Jurinac hatte jenen dunkel gefärbten Sopran zur Verfügung, mit dem sie ausdrucksvoll alle Nuancen erfüllen konnte, die in dieser Rolle stecken.  C 767 092 ISchon in ihrer Erscheinung war sie nicht die zierliche Japanerin, die naiven Gemüts die Ehe mit dem amerikanischen Leutnant eingeht, sondern von Anfang an eine selbstbewusste junge Frau, die sich den damaligen Gepflogenheiten der japanischen Gesellschaft zu stellen hat. Sie konnte mit ihren stimmlichen und darstellerischen Möglichkeiten das Glück und das Leid, das Cio-Cio-San durchleben muss, zum Ausdruck bringen; sie stellt einen Menschen auf die Bühne, dessen Schicksal tief berührt. Stimmlich war Sena Jurinac auf einem Höhepunkt angelangt, sodass man sie zu den weltbesten Sopranistinnen ihrer Zeit zählen durfte. Der Dirigent des vorliegenden Mitschnitts vom 25. März 1961 ist Berislav Klobucar, dessen Engagement an der Wiener Staatsoper mit einer Vorstellung von Madama Butterfly am 15. Mai 1953 begonnen hatte. Die beiden männlichen Protagonisten der Aufführung waren 1958 engagiert worden. Der Tenor Ermanno Lorenzi (Pinkerton) wurde während seiner fünfjährigen Tätigkeit im Haus am Ring in den verschiedensten Partien eingesetzt. Der griechische Bariton Kostas Paskalis (Sharpless), der nach einem sehr erfolgreichen Gastspiel als Renato in Un Ballo in Maschera und Rigoletto sofort an die Staatsoper verpflichtet worden war, entwickelte sich zu einem weltweit bekannten Sänger. Unter den bewährten Ensemble-mitgliedern – wie der Altistin Hilde Rössel-Majdan als Suzuki, dem ersten Charakter- und Buffotenor Peter Klein (Goro) oder dem vielseitigen Bassbariton Alois Pernerstorfer (Onkel Bonzo) – , mit denen in der Liveaufnahme die kleineren Partien besetzt sind, ragt die junge Gundula Janowitz als Kate Pinkerton hervor.
nach oben März 2009
ORFEO 3 CD C 768 093 D
Puccini - Il Trittico
Puccinis drei Einakter Il Trittico sind selten geschlossen an einem Opernabend zu erleben. Meistens wird das Satyrspiel Gianni Schicchi ‚ausgekoppelt’ und mit anderen Kurzstücken kombiniert. Ihre volle Wirkung aber entfaltet diese schwarze Komödie wohl, ebenso wie die naturalistische Eifersuchtstragödie Il Tabarro und das Seelendrama Suor Angelica, erst in ihrer eigentlich beabsichtigten, kontrastreichen Abfolge. An der Wiener Staatsoper war sie so 1979 zu erleben, zum ersten Mal an diesem Haus auch in der italienischen Originalsprache. Die Spannung, die Gerd Albrecht am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper den ganzen Abend über aufrecht erhalten konnte, überträgt sich auch noch beim Anhören des Premieren-mitschnitts. Im Gegensatz zu anderen Produktionen auf der Bühne oder im Aufnahmestudio trat niemand aus dem Ensemble als Protagonist(in) in zwei oder gar drei der Einakter auf.  C 768 093 DDas Ergebnis ist eine Besetzung, die in jedem Stück ein Maximum an Rollenidentifikation mit den jeweiligen Figuren zulässt. So fesselt die Dreiecksgeschichte im Tabarro durch die vokale Energieleistung von Marilyn Zschau als Giorgetta und den machtvoll flutenden Gesang von Renato Bruson als ihr eifersüchtiger Ehemann Michele, der so gerüstet selbst vor der urwüchsigen Stimmgewalt von Vladimir Atlantov in der Rolle des Nebenbuhlers Luigi besteht. In Suor Angelica berührt Pilar Lorengar zutiefst als Protagonistin, da sie großartig die bei Puccini so heikle Balance zwischen Schön- und Ausdrucksgesang findet. Mit Kerstin Meyer als Fürstin hat sie einen beeindruckenden Gegenpart, zumal die schwedische Mezzosopranistin stimmlich stärker als manche berühmte Kollegin einen Rest menschlicher Wärme hinter der strengen Fassade dieser Figur erahnen lässt. Aus dem prallen Leben gegriffen ist erwartungsgemäß schließlich Walter Berrys Verkörperung des Gianni Schicchi, dem die stimmtypisch ideale Sona Ghazarian als Töchterchen Lauretta zur Seite steht. Mit Yordi Ramiro, Margarita Lilova und Marjana Lipovek sind auch die Erbschleicher persönlichkeitsstark besetzt und als Arzt Spinelloccio ist ein Kabinettstückchen aus der späten Karriere von Erich Kunz zu vernehmen.
nach oben |
|
ORFEO
Chormusik & Oratorien
Edition zeitgenössisches Lied
Kammermusik
Lied
Musica Rediviva
Oper
Recital
Symphonie & Konzert
Weihnachten
ORFEO D'OR
Bayerische Staatsoper live
Bayreuther Festspiele live
Deutsche Oper am Rhein
Salzburger Festspieldokumente
Wiener Staatsoper live
Wiener Symphoniker
Dirigenten
Große Sänger d. 20. Jh.
Orchesterkonzerte
Quartette
Solisten
|