ORFEO International – Neuheiten

Wichtige Neuerscheinungen kurz vorgestellt

Veröffentlichungszeitraum Oktober 2017 – April 2018

April 2018

ORFEO 1 CD C 944 182 I

Franz Liszt, Années de pèlerinage

Kultiviert, technisch brillant und musikalisch feinsinnig: dies bringt auf den Punkt, was Francesco Piemontesi als Pianisten ausmacht.C 944 182 I
C 944 182 I
Geboren und aufgewachsen ist er in Locarno in der Schweiz, heute lebt er in Berlin und gilt als einer der herausragendsten Pianisten unserer Zeit. Kennzeichnend fur Francesco Piemontesi sis Spiel sind technische Perfektion, eine grose und reiche Farbpalette sowie die Kultivier theit des Ausdrucks. Neben dem Repertoire groser deutscher Komponisten fuhlt er sich auch bei Debussy, Ravel, Liszt und Dvořak gut aufgehoben.
Francesco Piemontesi studierte zunachst bei Arie Vardi, spater dann bei Alfred Brendel, Murray Perahia, Cecile Ousset und Alexis Weissenberg. Als Preistrager mehrerer renommierter Wettbewerbe erarbeitete er sich internationales Ansehen und wurde unter anderem in 2009 zum „BBC New Generation Artist“ gekurt.
Einladungen renommierter Orchester fuhren Francesco Piemontesi durch die ganze Welt. So spielt er u.a. mit dem Cleveland Orchestra, dem Deutschen Symphonie-Orchester, den Munchner Philharmonikern und dem Gewandhausorchester Leipzig, den Sinfonieorchestern des Hessischen und Bayerischen Rundfunks, dem London Philharmonic Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, den LA Philharmonics und dem Orchester des Maggio Musicale Fiorentino. Zu seinen Partnern am Dirigentenpult zahlen Marek Janowski, Sakari Oramo, Vasily Petrenko, Manfred Honeck, Robin Ticciati, Vladimir Ashkenazy und Charles Dutoit. Eine besonders enge musikalische Zusammenarbeit verbindet ihn mit den Dirigenten Sir Roger Norrington, David Afkham und Andrew Manze.
Neben seiner solistischen Tatigkeit widmet Francesco Piemontesi einen grosen Teil seiner Arbeit der Kammermusik. Mit besonderer Hingabe entwirft er ausgewogene Kammermusik- sowie Rezitalprogramme, mit denen er in den grosen Konzerthausern (Amsterdam Concertgebouw, Rot terdam De Doelen, Carnegie Hall und Avery Fisher Hall New York, Berliner Philharmonie, Tonhalle Zurich, Wiener Konzerthaus oder der Santory Hall Tokyo) und Festivals weltweit zu horen ist. Er musiziert u.a. mit Kollegen wie dem Emerson-Quartett, mit Antoine Tamestit und Jorg Widmann (in Trioformation), Renaud und Gautier Capucon, Clemens Hagen, Angelika Kirchschlager und Daniel Muller-Schott.
Zu Beginn des Jahres 2016 startete er einen Mozartzyklus in der Londoner Wigmore Hal l. Uber drei Spielzeiten hinweg wird er dort samtliche Mozart-Sonaten vortragen.
Die „Settimane Musicali di Ascona“ beriefen ihn im Jahr 2012 zum kunstlerischen Leiter des Festivals, das er seither alljahrlich mit seinem jugendlichen Engagement und seiner Expertise betreut.

Francesco Piemontesi mit Année de Pèlerinage von Franz Liszt auf YouTube:



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März 2018

ORFEO 1 CD C 945 181 A

Widmann • Mendelssohn

Selten hat man eines der bekanntesten Werke von Mendelssohn, die geniale Hebriden-Ouvertüre, so wild, schroff und rauh, ja zerklüftet vernommen wie in dieser abschließenden Folge von Mendelssohn-Symphonien mit Jörg Widmann. Sicherlich ist dies eine ausgesprochen zeitgenössische Interpretation, C 945 181 A
C 945 181 A
man hört die heute ubiquitäre Hör-Erfahrung mit alten Instrumenten mit, auch wenn sie hier nicht zur Anwendung kommen. Noch mehr dürfte es aber den Komponisten am Dirigierpult – und Musik-Analysten von hohen Graden – gereizt haben, dieser von Abgespieltheit und Verharmlosung gefährdeten Musik alles falsch Selbstverständliche und Biedere interpretatorisch auszutreiben. Und dazu dürfte auch das schon in den anderen Folgen bewährte Prinzip der sehr bewußten Zusammenstellung und Kontrastierung der Mendelssohn-Werke mit eigenen des bekanntlich auch Klarinette spielenden Komponisten und Dirigenten anregend beigetragen und auch den Musiziergeist des Irish Chamber Orchestra spürbar begeistert haben. Eine eigentlich sonst dem Konzert vorbehaltene Dramaturgie erweist sich hier auf Tonträger als ausgesprochen glücklich: die wohlbekannten Werke des früheren 19. Jahrhunderts erklingen wie neu – fast fremd, was hier ein Kompliment für die Interpreten ist. Und die beiden frühen Werke Widmanns, selber historisch gewordener Teil seiner eigenen Entwicklung, entpuppen sich einmal mehr als sehr gut hörbar, ja mitreißend; das von frühen Disco-Erlebnissen des jungen Widmann inspirierte „180 beats“ nicht minder als die faszinierende, vom Komponisten selber gespielte „Fantasie“,  in der er raffiniert scheinbare Grenzen des einstimmigen Blasinstruments im Aufbau von Harmonien überwindet. Wie sehr man sich bei der „Verortung“ eine Stücks täuschen kann, wird im anregenden Beihefttext am Beispiel von Schumann vorgeführt, der in der „Schottischen“ die vermeintliche italienische Entstehungsumgebung herausgehört zu haben glaubte. – Wie dem auch sei, so stimulierend neu hat man Mendelssohns Musik wohl selten zu hören bekommen.



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Februar 2018

ORFEO 2 CD C 930 182 I

Gottfried von Einem: Der Besuch der alten Dame

Aus dem tiefsten 20. Jahrhundert stammt die hier vertonte „tragische Komödie“ eines Dichters, der befand, daß „eine Geschichte erst dann zu Ende gedacht ist, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen hat“, und für sein dramatisches Schaffen die Konsequenz zog, daß nur noch Komödien möglich seien. C 930 182 I
C 930 182 I
Die nette Einfachheit der Sprache, die unterhaltsame, scheinbare Harmlosigkeit der Handlung, wie sie sich in den comic-haften Namen einiger Protagonisten zu manifestieren scheint: Toby, Roby, Koby und Loby, kontrastiert auf’s Schärfste mit der beispiellosen Härte der hier erdachten und umgesetzten Konstellation – nämlich einem völlig unmäßigen, archaischen Rachefeldzug einer Frau. – Da paßt es, daß auch der heuer vor 100 Jahren geborene Komponist so wenig wie sein Librettist für eine sich selbst todernst nehmende, möglichst sperrige Avantgarde standen. Das Abgründige des gnadenlosen Geschehens wird hier vielmehr durch die klar fassliche, nicht ununterhaltsame Machart betont. – Die Uraufführung an der Wiener Staatsoper im Jahr 1971 geriet zu einem beispiellosen Erfolg, der laut Presseberichten den beliebter Repertoireopernpremieren der Vorjahre in den Schatten stellte, so daß die Produktion 39 Mal gezeigt wurde. Dazu trugen sicherlich die in der Otto Schenk-Inszenierung mitwirkenden Kräfte entscheidend bei: neben dem Wiener Staatsopernorchester unter Horst Stein ein erstklassiges Ensemble mit Hans Hotter als Lehrer, Eberhard Wächter als beklagenswertem Alfred Ill, vor allem der herausragenden Christa Ludwig als reichste Frau der Welt, Claire Zachanassian. Ist dieser Name laut Dürenmatt zusammengezogen aus Zacharoff, Onassis und Gulbenkian, kann man von der Jubilarin sagen, daß sie reich wie niemand sonst Qualitäten mehrerer Spitzensängerinnen in sich vereint. Die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag begehende Künstlerin steuert im Beihefttext Erinnerungen an die Produktion bei, die ein weiteres Beispiel der Größe ihrer künstlerischen Persönlichkeit abgibt.



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Januar 2018

ORFEO 2 CD C 918 182 I

Mozart, Così fan tutte

Beethoven war empört

Skandalös war das auch in seiner opera buffa-Gestalt gnadenlos desaströse Partnertausch-Experiment in „Cosi fan tutte“ für das ganze 19. Jahrhundert von Beethoven bis Wagner so sehr, daß man die dargestellte Frivolität fast verzweifelt unter allen möglichen entschärfenden Bearbeitungen zu verstecken versuchte. C 918 182 I
C 918 182 I
Erst Hermann Levi und Richard Strauss stellten für München die originale Gestalt mit auskomponierten Rezitativen statt gesprochenen Dialogen wieder her. Doch höchst erstaunlicherweise erklang dieses absolute Meisterwerk auch danach erst mit dieser Produktion in den 1970er Jahren in München erstmals in Originalsprache – wo doch bei einem Großmeister der musikalisch so subtilen wie reaktionsschnellen Wortausdeutung alles andere ein Sakrileg ist!
Jedenfalls zeigt das akustische Dokument ein fast überschießend intensives Musiktheaterereignis. Der damalige musikalische Chef erweist sich einem ersten Haus und seiner Geschichte gemäß einmal mehr nicht nur als souveräner Wagner- und Strauss-Dirigent, sondern wie schon beim zuletzt veröffentlichten Don Giovanni aus denselben Jahren (Orfeo C846153) als höchst kompetenter Mozart-Interpret. Die über seine Abgründe hinaus das Stück zu einer Krönung von Mozarts Opern-Schaffen erhebenden Ensemble-Qualitäten des Werkes werden dramatisch atemberaubend vital-vielfältig herausgearbeitet – und dies nicht zuletzt aufgrund der aufsummierten sensationellen Einzelqualitäten der Protagonisten. Diese wurden auch vom Maestro selbst so hoch eingeschätzt, daß damit die Verlegung aus dem sonst üblichen Cuvilliés-Theater – wo 1795 die erste Münchner Produktion stattgefunden hatte – in das Nationaltheater zu rechtfertigen war: „Mit Solisten, wie wir sie haben, kann man das große Haus füllen.“



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Januar 2018

ORFEO 1 CD C 929 181 A

von Einem, Philadelphia Symphony

Je länger die Moderne dauert, je älter die „Neue Musik“ wird, umso vielgestaltiger stellt sie sich dar. Bei näherem Hinhören zeigen sich schon früh sehr viele Nebenwege neben den scheinbaren Hauptströmungen, und einer, der solche eigenen Wege mit viel Beachtung gegangen ist, ist Gottfried von Einem. C 929 181 A
C 929 181 A
Seit seinem Durchbruch mit der Uraufführung seiner Oper Dantons Tod bei den Salzburger Festspielen 1947 wurden bis zu seinem Tod 1996 viele seiner Werke im internationalen Musikleben präsentiert, wovon auf diesem Label Aufnahmen mit Interpreten wie Böhm, Karajan oder George Szell zeugen. Für das Fortwirken eines Komponisten sind aber bekanntlich nicht nur möglichst glanzvolle Uraufführungen wichtig, und so freut sich Orfeo, neben anderen Neuaufnahmen in seinem Katalog zum 100. Geburtstag des 1918 geboren Komponisten eine Neuproduktion mit besten Kräften unserer Zeit zu präsentieren.
Das früheste Werk darunter ist das Chorwerk mit Orchester Stundenlied, das einer auch kulturgeschichtlich höchst interessanten Konstellation entstammt, nämlich einer Zusammenarbeit mit dem in Ostdeutschland residierenden Bertolt Brecht ab 1949. In volkstümlich-naivem Tonfall wird hier das Passionsgeschichte als grausames Geschehen bezeugt und reflektiert, und von von Einem kongenial mit der gebotenen Einfachheit und Strenge kompositorisch umgesetzt, eindringlich und mit Autorität interpretiert hier von Wiener Singverein und Philharmonikern unter Welser-Möst.

Von ganz anderer Faktur ist die – schon im Titel spannungsvolle – Geistliche Sonate für Sopran, Trompete und Orgel aus den Jahren 1962 bis 1973, in der der Komponist kontrapunktische Konzentration der Linienführung mit spannungsvoller Expressivität vereint. Ein Plädoyer für diese Musik könnte nicht wirkungsvoller sein als hier durch die ausdrucksvolle Sängerin, die „moderne“ baltische Konzertorganistin und den phänomenalen Trompeten-Weltstar.

Schließlich erklingt das nach seinem ursprünglich geplanten Uraufführungs- und Kompositionsauftragsort Philadelphia Symphonie genannte Werk, das nach einigen Mißklängen daselbst jedoch 1961 im Wiener Musikvereinssaal mit den dortigen Philharmonikern unter Solti uraufgeführt wurde – auf dem „Remake“ abermals ebenda zu hören unter dem amerika-erprobten Franz Welser-Möst. Das in den Dimensionen einer dreisätzigen Haydn-Symphonie konzipierte Stück weiß durch moderat modernen Einfallsreichtum für sich einzunehmen und legt den Gedanken nahe, daß inzwischen auch die Postmoderne eine längere Geschichte hat.



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November 2017

ORFEO 1 CD C 937 171 B

Nina Stemme - Wagner

Bis heute ist nicht restlos geklärt, warum gerade Skandinavien, insbesondere Schweden, so viele große Wagner-Sängerinnen hervorgebracht hat: C 937 171 B
C 937 171 B
Neben der Norwegerin Kirsten Flagstad etwa die Schwedinnen Birgit Nilsson, Catarina Ligendza, Katarina Dalayman und Nina Stemme. Letztere gehört heute zur raren Spezies hochdramatischer Sopranistinnen, die ein leuchtend sinnlich strahlendes Organ gleichermaßen besitzen wie Intelligenz der Gestaltung und große Bühnenpräsenz. Ihre großen Wagner-Partien hat Nina Stemme nicht zuletzt an der Wiener Staatsoper gesungen: Senta, Sieglinde, die drei Brünnhilden im „Ring des Nibelungen“ und Isolde – zumeist in Aufführungen, die Franz Welser-Möst dirigierte.

An den verschiedensten Häusern zwischen Bayreuth, Zürich und Wien war und ist Nina Stemme DIE Isolde. Zwei Ausschnitte einer Aufführung vom 13. Juni 2013 zeigen zum einen die stolze, tiefe verletzte irische Prinzessin im Dialog aus dem ersten Aufzug mit der Brangäne von Janina Baechle, zum anderen die bereits der Welt abgewandte Liebende im schwebend exstatischen „Mild und leise wie er lächelt“.

Bei Orfeo ist der komplette erste Aufzug der „Walküre“ in einer Aufführung vom 2. Dezember 2007 mit Nina Stemme, Johan Botha und Ain Anger bereits erschienen. Nun kann man die zentrale Szene Siegmund-Sieglinde aus dem 2. Aufzug nachhören: An der Seite des charismatischen, so früh verstorbenen Heldentenors ist Stemme als Sieglinde eine von Leidenschaft aufgewühlte Frau, der die – erotische – Befreiung zugleich Seligkeit verschafft und panische Angst um den geliebten Zwilligsbruder.

Etwas von dieser Ambivalenz besitzt auch ihre Senta: Das Wiener Debüt der Wagner-Sängerin Stemme fand am 5. Dezember 2003 unter Leitung von Seiji Ozawa statt: Die Ballade atmet eine gefährliche Jungmädchen-Schwärmerei, während im Duett mit dem Holländer von Falk Struckmann lange verdeckt gehaltene Gefühle aufbrechen.

Kern der Wagner-CD mit Nina Stemme ist die gut halbsstündige Schlussszene des „Siegfried“ in einem Mitschnitt vom 27. April 2008. Die gerade vom Titelhelden (Stephen Gould) erweckte Brünnhilde erlebt die verschiedensten Stufen des erotischen Erwachens, hin- und hergerissen zwischen den Erinnerungen und Gefühlen einer weisen Wotanstochter, dem jungen, unbedarften, ganz seinen Trieben lebenden jungen Mann, der sie körperlich und seelisch bedrängt, und den in ihr aufkeimenden Empfindungen einer jungen Liebenden. Stemme findet dafür verschiedenste Klangfarben und Ausdrucksnuancen: Vom geblendeten „Heil Dir Sonne“ über das verhaltene „Ewig war ich, ewig bin ich“ und die Anrufung des „herrlichen Knaben“ bis hin zum strahlend-fatalistischen „Leuchtende Liebe, lachender Tod!“



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Oktober 2017

ORFEO 1 CD C 920 171 A

#CELLOREIMAGINED

Zwei neue Cellokonzerte aus einem Generationendreieck

Der auch in der Programmwahl lebhafte und neugierige Musiker stellt auf seiner neuen Aufnahme drei Komponisten zu einem auf seinem Instrument faszinierend erlebbaren musikalischen Beziehungsdreieck zusammen, das er durch Übertragungen erst ermöglicht. Dabei steht die leichte Zugänglichkeit und gute Hörbarkeit in reizvollem Kontrast zu ihrer gar nicht leichten Spielbarkeit.
Reizvoll ist schon die Verschränkung und C 920 171 A
C 920 171 A
Überlagerung der Generationenfolge: der 1714 geborene Sohn Johann Sebastian Bachs, vielleicht größter Komponist seiner Generation; der 1732 geborene Gründervater der eigentlichen Klassik und Schöpfer zentraler Gattungen; schließlich das 1756 geborene Wunder. Aber diese Anordnung wird fast absurd über den Haufen geworfen durch die Todesdaten: Mozart stirbt 1791 drei Jahre nach Carl Philipp Emanuel, und wird überlebt von Joseph Haydn um fast 18 Jahre.
Der Bach-Sohn kreierte das Klavierkonzert als Gattung entscheidend mit und arbeitete von diesen drei für Flöte und – technisch entsprechend fordernd – für Violoncello um – eines davon erklingt hier. Haydn wiederum schuf bekanntermaßen als erster und leider auch einziger der großen „Wiener Klassiker“ Cellokonzerte, die Daniel Müller-Schott natürlich oft spielt und auch aufgenommen hat (C080031). Aber außerdem schrieb er Klavier- und Violinkonzerte, von denen eines hier in Cellofassung erklingt, technisch wiederum entsprechend herausfordernd. Von dem frühen Vollender der Gattung Klavierkonzert schließlich gibt es leider kein Cellokonzert, aber Daniel Müller-Schott unternimmt es in der Tradition von Emanuel Feuermann, das von Mozart selbst später für Flöte übertragene Oboenkonzert auf dem Cello zu interpretieren. Und hier wird in überwältigender Weise das Mozart-typische Überschreiten der Gattungsgrenzen im Solokonzert erlebbar: mit konkret vorstellbaren Opernauftritten und vielem mehr, so kunstvoll gemacht und dargeboten, daß man im besten Sinne gar nicht mehr an das spielende Instrument denkt, geschweige denn das ursprünglich gemeinte.
Im übrigen gelingt das Experiment der Repertoire-Erweiterung durch Übertragung hier sicherlich nicht zuletzt wegen der Kompetenz und wachen, ansteckenden Musikalität der L’Arte del mondo unter Werner Erhardt, die in dieser Musik fühlbar zu Hause sind.



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Oktober 2017

ORFEO 3 CD C 850 113 D

Richard Wagner - Lohengrin

In the year of the premiere of Wolfgang Wagner’s second Lohengrin the eponymous hero found himself in a tight spot. At the end of the 1950s Sandor Kónya had taken the scepter in Bayreuth from Wolfgang Windgassen as the principal Knight of the Swan; C 850 113 D
C 850 113 D
at the height of his career in 1959, Kónya featured on a recording opposite Elisabeth Grümmer as Elsa (Orfeo C 691063). On the evening of the 1967 premiere of the new version however, the Hungarian tenor was gravely indisposed. No fewer than four tenors then stepped into the breach to sing his part. The first of them, James King, promptly sang his way to gaining “first night rights” for the following year. In 1968, however, Rudolf Kempe was no longer on the rostrum, though he was key to the success of the live recording of the second performance in 1967, which is now available on the Orfeo label (C 850113). Seven years earlier Kempe, with his sound instinctive feeling for music drama, had already plumbed the “mystic abyss” and conducted the entire Ring cycle. Yet his striving for continuous musical transparency resulted in an ever stronger degree of refinement. The 1967 Lohengrin may undoubtedly be viewed as the crowning glory of this development.

James King (1925-2005) stood at that time on the cusp of his Bayreuth career, which had begun one year earlier with the role of Siegmund. He had already sung Lohengrin at the Deutsche Oper in Berlin, which was for many years one of his regular venues. Anyone who is familiar with the baritone origins of the tenor from Kansas, USA, may well be surprised at the tremendous dynamic grading in the suspended high registers through to the sonorous piano passages that he was capable of at his Bayreuth debut in the role of the Knight of the Swan. He kept that role in his repertoire for more than a quarter of a century, singing it right up to the end of his career at new venues – a feat which places James King in the hand-picked league of tenors capable of singing the overtly dramatic roles of their fach with a lean, “Italian” timbre.

The Elsa at James King’s side in this case was Irish-born Heather Harper, who went on to become famous for her performances and premieres of works by Benjamin Britten. With her superlative, highly-spun lyrical phrasing and many nuances her “foray” into the realms of Wagner is a pure listening pleasure. Even the challenging breadth of the role of Elsa did not apparently entice Heather Harper for one moment to force her voice. And how often does one hear, even in the dramatic turn of events in the nuptial chamber, such poignant vocal intensification delivered with such simplicity?

The performer whose Bayreuth career would enjoy an even longer term was yet another singer from the Commonwealth in this cast of Lohengrin: Sir Donald McIntyre was brilliant as Telramund with heroic baritone command, and so his continued success at Bayreuth in roles like Dutchman, Amfortas, Klingsor, Kurwenal and Wotan/Wanderer was hardly surprising in retrospect.

Grace Hoffman (1921-2008) as Ortrud was able to look back at a comparable number of roles at Bayreuth to Sir Donald McIntyre; indeed, her many acclaimed roles from 1957 onwards at the Festspielhaus would include Brangäne, Fricka and Waltraute. Such a role call doubtless serves as proof that Ortrud’s highly dramatic arias can certainly be accomplished by a truly dramatic mezzo-soprano providing that, as in the case of Grace Hoffman, the technical prerequisites are in place. The last of the soloists at that performance were Thomas Tipton as an elegant King’s Herald; the reason for his reputation as the leading gentleman baritone of the Bavarian State Opera in those days is audible here (and he also played Wolfram in Bayreuth in 1967); and the “outsider” so to speak, in the midst of these English-speaking singers who nevertheless sang in perfect German: Karl Ridderbusch (1932-1997) with his truly balmy bass as King Heinrich. He too was giving his Bayreuth debut that year, and he was to give innumerable performances over the years as Daland, Fasolt, Hunding, Titurel, Marke, Pogner and ultimately in the very contrasting roles of Hagen and Hans Sachs.

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