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ORFEO International – Neuheiten
Wichtige Neuerscheinungen kurz vorgestellt
Veröffentlichungszeitraum November 2011 — Mai 2012
Mai 2012
ORFEO 1 CD C 849 121 A
Nachdem 
 Baiba Skride Foto: Marco Borggrevesie in ihrer vorangegangenen Orfeo-CD hochromantische Violinwerke von Brahms aufgenommen hat, legt Baiba Skride als nächste Einspielung nun zwei Violinkonzerte des 20. Jahrhundert vor, deren Komponisten im Rückgriff auf die überlieferten Formmodelle höchst individuelle Wege beschritten haben.  C 849 121 ASo hat sich der weltgewandte und epochenkundige Igor Strawinsky bei seinem einzigen Beitrag zu dieser Musikgattung explizit auf das Vorbild Johann Sebastian Bachs berufen und demgemäß ein architektonisch exakt durchgeformtes und zugleich neo-barock verspieltes Violinkonzert vorgelegt. Ganz anders hat sich demgegenüber der Schweizer Frank Martin mit den Vorgaben eines traditionsgemäß dreisätzigen Violinkonzerts auseinandergesetzt und sich in der atmosphärischen Dichte an seine Vertonung von Shakespeares Sturm angelehnt, gleichsam beherrscht vom geheimnisvollen und märchenhaften, gelegentlich auch kapriziösen und lebhaften Geist Ariel. Baiba Skride findet sowohl für das Obskure als auch die gewaltige Aufhellung zum Ende hin den passenden Ton; ihre enorme stilistische Flexibilität kommt auch im Konzert von Strawinsky mit kristallklarer Leuchtkraft zur Geltung. Das BBC National Orchestra of Wales und sein Chefdirigent Thierry Fischer sind dabei nicht nur ideale Partner. Sie erweitern das Programm noch durch drei zeitnah entstandene Instrumentalwerke, die ebenfalls exemplarisch zeigen, wie sich das Formverständnis, in diesem Fall von Programmmusik, im 20. Jahrhundert gewandelt hat. In Pacific 231 und Rugby von Arthur Honegger besticht das BBC National Orchestra of Wales durch sein suggestives Zusammenspiel, wenn es gilt, klanglich eine Lokomotive zum Rollen und sportliche Spielverläufe zum Hin- und Herwogen zu bringen. Einen grotesk-heiteren Schlusspunkt setzt das Orchester zudem mit Strawinskys Circus Polka, die mit ihrem Zitatcharakter (hier nach Schubert) gewissermaßen auch das Programm der beiden zentralen Violinwerke mit Baiba Skride zusammenfasst: nämlich dass sich in der musikalischen Nachschöpfung stets eine große Originalität aufrecht erhalten lässt.
nach oben April 2012
ORFEO 3 CD C 856 123 D
Nachdem Herbert von Karajan 1964 die Direktion der Wiener Staatsoper abgegeben hatte, ließ er sich wieder im Mai 1977 für ein paar Vorstellungen im Haus am Ring gewinnen. Nach einer Neueinstudierung von Verdis Il trovatore folgte nur zwei Abende später Mozarts Le nozze di Figaro, als Übernahme von den Salzburger Festspielen.  C 856 123 DDem dortige Erfolg schloss sich in Wien aber keineswegs eine bloß routinierten Reprise an: Eine musikalisch geschlossenere Ensembleleistung als seinerzeit in Wien, wo alle Beteiligten zur Höchstform aufliefen, kann man wohl nicht erleben. José van Dam als Titelheld und Ileana Cotrubas als seine Verlobte Susanna sind ein Bilderbuchpaar mit unverwechselbaren Stimmen und charmanter Vortragskunst. Anna Tomowa-Sintow steht noch am Beginn ihrer Weltkarriere und bringt bei ihrem Staatsoperndebüt als Gräfin mitreißend zum Ausdruck, wie melancholisch und zugleich kämpferisch diese Figur angesichts ihres verlorenen Liebesglücks angelegt ist. In der kleinen Partie der Barbarina komplettiert Janet Perry die illustre Sopran-Riege, während Frederica von Stade mit schlankem Mezzo einen exemplarisch jünglingshaften Cherubino vorstellt. Den nicht nur angesichts dieser Konkurrenz aufbrausenden Schwerenöter vermag Tom Krause als Graf ebenso glaubhaft zu machen wie den zwischen persönlichen Neigungen und Standesbewusstsein schwankenden Aristokraten. In bester Buffo-Manier ergänzen Jane Berbié als perfekt zwischen komischer Alter und liebevoller Mutter chargierende Marcellina, Jules Bastin als prägnant charakterisierter Winkeladvokat Bartolo, Heinz Zednik als herrlich giftiger Intrigant Basilio und, als wahre Luxus-Besetzung für den polternden Gärtner Antonio (zwei Jahre vor seinem allzu frühen Tod), Zoltán Kelemen, der Alberich in Karajans Salzburger und Bayreuths Jahrhundert-Ring. Die allseitige Spielfreude in Jean-Pierre Ponnelles Inszenierung ist dem Rundfunkmitschnitt anzuhören, aber besonders schwebt und wirbelt über allem der Glanz und Elan von Karajans Dirigat am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper: eine zeitlos mustergültige Mozart-Interpretation, biegsam von den kleinsten Nuancen bis in die gebündelten Temperamentsausbrüche.
nach oben März 2012
ORFEO 1 CD C 853 121 A
Dans la Nuit
Kaum ein Instrument ist dabei, an die menschliche Stimme in ihrem gesanglichen Ausdrucksspektrum heranzureichen, so geeignet wie die Klarinette. So wurde vor allem seit der Romantik – z.B. in Deutschland durch Carl Maria von Weber, in Frankreich durch Hector Berlioz – auf sie zurückgegriffen, in gefühlvollen (und nicht sentimentalen) Momenten ebenso wie in jenen mit einer besonderen, gleichsam traumhaft entrückten Dämmer-Stimmung.  C 853 121 ANoch einen Schritt weiter, „in die Nacht“ geht Nicola Jürgensen, die neben ihren solistischen Konzertauftritten mit vielen wichtigen Orchestern Europas auch als Kammermusikerin schon bei bedeutenden internationalen Festivals wie in Risør oder Lockenhaus gastiert hat.  Nicola Jürgensen Foto: Uwe ArensMit Matthias Kirschnereit am Flügel hat sie das Programm Dans la nuit (nach einem Liedtitel von Reynaldo Hahn) eingespielt, für das Nicola Jürgensen selbst französische Musik des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts für die Klarinette adaptiert hat. Bekannten und weniger geläufigen Liedern, neben Berlioz und Hahn von Gabriel Fauré und Francis Poulenc, steht Dramatisches und Virtuoses gegenüber. So entsteht in einer unerwarteten instrumentalen Konstellation ein lebendiger Eindruck der Pariser Salonkultur und ein geschmackvolles Abbild der Belle Epoque. Wer hätte wohl gedacht, dass Camille Saint-Saëns’ Introduction et Rondo capriccioso sich auf der Klarinette genauso glanzvoll darbieten lässt wie in der originalen Besetzung mit Violine? Nicht minder begeistert Nicola Jürgensen in der Welt des Musiktheaters, in der sie auf den Pfaden der Moderne übrigens bereits als Eva in Michaels Reise um die Erde von Karlheinz Stockhausen bei den Wiener Festwochen und in anderen Musikmetropolen auf der Bühne zu erleben war. Die Fantasie brillante von François Borne nach Motiven aus Bizets Carmen verblasst als klug zusammengestelltes Potpourri, das durchaus die Dramatik der Vorlage bewahrt, keineswegs gegenüber der Fassung für Flöte, wenn sie wie hier von Nicola Jürgensen interpretiert wird. Eine weitere Opernmelodie und erneut von der Violine her transkribiert ist mit der berühmten Méditation aus Thaïs von Jules Massenet zu hören und rundet eine ausgefallene CD in tonschöner Innigkeit ab.
nach oben März 2012
ORFEO 2 CD C 836 112 B
Bedrich Smetana - Má Vlast
Zwar stand er unter den Dirigenten des 20. Jahrhunderts nie in der vordersten Reihe der Festspiel- und Plattendirigenten, doch kommt Lovro von Matacic (1899–1985) in Profil und Kompetenz den modernen Pultstars gleich.  C 836 112 BAuf den internationalen Konzertpodien war er ein ebenso gern gesehener Gast wie in den weltweit renommierten Opernhäusern – von der Mailänder Scala und den Bayreuther Festspielen bis an die Lyric Opera von Chicago. Sein Repertoire reichte von barocken bis hin zu zeitgenössischen Werken, manchmal auch ergänzt um eigene Kompositionen. In seinen letzten Lebensjahren war der aus Kroatien Stammende vor allem in Monte Carlo, Tokio und Wien präsent, wo er bereits Mitglied der Sängerknaben gewesen und viele Jahre an der Staatsoper tätig war. Orfeo präsentiert nun den Mitschnitt eines Konzerts von 1982 mit Matacic und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien.  Lovro von Matacic Foto: Archiv der Bayreuther FestspieleAuf dem Programm steht der symphonische Zyklus Má Vlast – Mein Vaterland – von Bedøich Smetana. Energisch nutzt Matacic die von ihm selbst ausdrücklich erbetene Chance, einem nicht-tschechischen Publikum über die zumeist einzeln auf den Konzertprogrammen stehende Moldau hinaus alle Teile präsentieren zu können. Sowohl dort, wo Smetanas unverkennbare melodische Einfälle und die warmen Streicher- und Holzbläserklänge sentimental oder gar kitschig klingen können, behält Mataèiæ die Kontrolle, als auch in den unverhohlen patriotischen Passagen, in denen es auf exakt koordinierte Rhythmik und Blechbläsereinsätze ankommt. So gelingt es ihm, dass der über mehrere Jahre zusammengewachsene Zyklus seine Zuhörerschaft mit geradezu archaischer Wucht überrumpelt, auch wo die Titel und programmmusikalischen Sujets mitunter Fragen offen lassen – wie beispielsweise im weniger bekannten dritten Teil, der die männermordende Amazone arka zur Protagonistin hat, oder in den beiden Schlussabschnitten Tábor und Blaník, die auf Gründungsmythen der tschechischen Nation anspielen. In der Wiener Interpretation von Matacic ergeben sie ein prächtiges Klanggemälde, das als Ganzes überall, nicht nur innerhalb der Grenzen seines Ursprungslandes bestaunt und bewundert zu werden verdient.
nach oben Februar 2012
ORFEO 1 CD C 815 121 A
Miroslav Kultyshev - Edvard Grieg
Es ist in mehrerlei Hinsicht stimmig, dass der junge russische Klaviervirtuose Miroslav Kultyshev nach seiner Aufnahme der Études d’exécution transcendante von Franz Liszt bei Orfeo nun eine Einspielung des a-Moll-Klavierkonzerts op. 16 von Edvard Grieg vorlegt: machte doch der Komponist mit diesem Werkt einen entscheidenden Schritt auf der internationalen Musikbühne des 19. Jahrhunderts.  C 815 121 AOft zitiert wird zudem der Bericht, wie Grieg 1869, als Stipendiat in Rom, just Franz Liszt das Werk präsentierte und jener, als er es vom Blatt spielte, sich über das Können und die Einfälle des jungen Norwegers begeisterte.  Miroslav Kultyshev Foto: Felix BroedeSeine triumphale Weltpremiere in Kopenhagen hatte das Klavierkonzert zu diesem Zeitpunkt bereits gefeiert – und ist seitdem aus den internationalen Konzertspielplänen nicht mehr wegzudenken. Das Vorbild Robert Schumanns, etwa in den akkordisch absteigenden Eingangstakten des Klavierparts und seiner äußerst kantablen Fortspinnung, kehrt Miroslav Kultyshev mit seinem eloquenten Tastenspiel ebenso hervor wie die für Grieg typischen norwegisch-volkstümlichen Momente, besonders im Schlusssatz. Kongeniale Partner sind insbesondere hier die NDR Radiophilharmonie und ihr norwegischer Chefdirigent Eivind Gullberg Jensen am Pult. Mit ihnen geht die Erkundungsreise durch Griegs Orchesterschaffen auf der neuen CD noch weiter:  Miroslav Kultyshev Foto: Felix BroedeDie Lyrische Suite op. 54 versammelt vier prächtige Stimmungsbilder, die vom pastoralen „Hirtenknaben“ bis hin zum grotesken „Marsch der Zwerge“ führt: die Kehrseite der ausgeprägten (Spät-)Romantik mit ihren Hell-Dunkel-Kontrasten, wie man sie nicht zuletzt aus Griegs Musik zu Peer Gynt kennt. In einer Aufführung dieses Nationaldramas zu Griegs Lebzeiten fanden drei der Norwegischen Tänze op. 35 Verwendung. Sie runden das Grieg-Programm mit der NDR Radiophilharmonie unter Eivind Gullberg Jensen ab: Auch hier bestricken die hörbare Spielfreude und ein stets effektvoller Wechsel von den ebenmäßigen und warm tönenden hohen Streicher- und Holzbläser-Passagen zu den mitunter schroff dazwischenstampfenden Klängen der Blechbläser und Bassstimmen, namentlich im „Halling“ – dem volkstümlichen norwegischen Paradetanz, auf den Grieg für diese Werkgruppe in temperamentvoller Ausgestaltung gleich dreimal zurückgegriffen hat.
nach oben Januar 2012
ORFEO 2 CD C 857 122 I
Edita Gruberova
Wenn Opernbegeisterte eine Sängerin zum Koloratursopran par excellence küren müssten, würde unweigerlich der Name von Edita Gruberova fallen. In den letzten vierzig Jahren hat sie – zur Freude des Publikums – alle Repertoire-Ecken und -Winkel erkundet, die sich in diesem Fach bieten.  C 857 122 IDass Edita Gruberova über diese enorme Zeitspanne ihr Timbre, ihre stimmliche Geschmeidigkeit und ihre effektvolle Höhe bis weit in die dreigestrichene Oktave hinein bewahren konnte, ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: ihre überlegene Technik und ihr kluger Umgang mit derselben bei der Repertoirewahl. Nach dem Debüt in der Opernprovinz ihrer slowakischen Heimat ist sie rasch und bis heute an der Wiener Staatsoper heimisch geworden. Doch die durchschlagenden frühen Erfolge (nach dem Debüt als Königin der Nacht und neben vielen Kleinstpartien) verbuchte sie, wie die neue CD-Zusammenstellung von Höhepunkten in der Reihe Wiener Staatsoper Live dokumentiert, zunächst wohlweislich innerhalb der Grenzen des leichten Koloraturfachs, das auch von Soubretten gesungen wird: etwa als Norina in Donizettis Don Pasquale, vor allem aber als Zerbinetta in Strauss’ Ariadne auf Naxos, zu der sie in mehr als dreieinhalb Jahrzehnten immer wieder zurückgekehrt ist.  Edita Gruberova als Manon Foto: FayerNur fünf Jahre weniger, aber vielleicht am stärksten, hielt sie ihre Zuhörerschaft in Wien und aller Welt als Lucia von Lammermoor in Atem und begann mit dieser lyrischen Koloratur-Partie, ebenso wie als Mozarts Donna Anna, Konstanze oder Giunia (im weniger bekannten Lucio Silla), eine stetige Entwicklung zur dramatischen Koloratur, die schließlich die Titelpartie von Bellinis Norma möglich machte. Dazwischen liegen in Edita Gruberovas Karriere aber noch viele Meilensteine, die allesamt auszugsweise im Wiener Porträt nachzuerleben sind: so z.B. die Titelheldin in Verdis La traviata (als einer von vielen hochkarätigen Partnern sei hier Alfredo Kraus als erwähnt) oder die „Ausflüge“ ins Französische mit Jules Massenets flatterhafter Manon und zur leichten Muse mit einer unwiderstehlichen Adele in Johann Strauß’ Fledermaus. Zentral jedoch in der zweiten Hälfte der besagten vierzig Jahre (Staats-)Operntätigkeit von Edita Gruberova waren die Primadonnen-Rollen in Belcanto-Opern, die ohne sie wohl gar nicht auf den Spielplan gelangt wären: in Bellinis I Puritani oder in Donizettis Maria Stuarda, Linda di Chamounix, Roberto Devereux und zuletzt in Lucrezia Borgia.
nach oben November 2011
ORFEO 2 CD C 828 112 A
Johann Sebastian Bach - Klavierkonzerte BWV 1052-1058
Als hervorragender Interpret von Werken Johann Sebastian Bachs ist Konstantin Lifschitz längst etabliert. Nach dem Musikalischen Opfer BWV 1079 und der Kunst der Fuge BWV 1080 setzt der Pianist bei ORFEO nun die Reihe seiner Bach-Interpretationen mit den sieben Klavierkonzerten BWV 1052–1058 fort. Als Partner hat er dabei mit dem Stuttgarter Kammerorchester ein in Sachen Bach ebenfalls renommiertes Instrumentalensemble.  C 828 112 AGemeinsam musiziert werden muss in den Klavierkonzerten indes auf einer völlig anderen Basis als etwa bei den Brandenburgischen Konzerten:  Konstantin Lifschitz Foto: Felix BroedeDie Quellenlage, die Entstehungs- und Bearbeitungsgeschichte der Klavierkonzerte geben das ein oder andere Rätsel auf. So lassen sich nur für drei der sieben Klavierkonzerte konkrete Urfassungen mit anderen Besetzungen des Soloparts feststellen, den übrigen vier werden jeweils nach Experteneinschätzung verschiedene Instrumente zugeordnet, über die sich von Fall zu Fall noch weiter trefflich diskutieren lässt. Dass Konstantin Lifschitz sich daher „mal als Cembalo, mal als Klavier, mal als Oboe d’amore, mal als Geige empfinden muss“, erhöht für ihn zwar den Anspruch der Konzerte bei der Interpretation, zugleich aber den klanglichen Reiz für den Hörerkreis. Denn Lifschitz verfügt über genau die Anschlagskultur und spielerische Gewitztheit, um das Heraustreten des Klaviers aus der Continuo-Funktion zu einer höchst lebendigen Erfahrung zu machen. Auch dass Lifschitz auf einem modernen Konzertflügel spielt, ist in jedem Moment überzeugend, zumal die Entwicklung im Instrumentenbau schon zu Bachs Lebzeiten in vollem Gang war und er selbst in dieser (wie so ziemlich jeder musikalischen) Frage experimentierfreudig war. Sind die Impulse deutlich erkennbar, die Bach beispielsweise von Vivaldi und anderen italienischen Zeitgenossen aufnahm, so ist in der quasi gesanglichen Phrasenbildung und Linienführung von Bachs Konzerten einiges vorweggenommen, was Mozarts Konzerte auszeichnet. So erschließen sich im zyklischen Überblick, wie ihn Konstantin Lifschitz und das Stuttgarter Kammerorchester im vorliegenden Fall über die Klavierkonzerte bieten, Altes und Neues gleichermaßen ausgeprägt und bezwingend.
nach oben November 2011
ORFEO 2 CD C 817 112 I
Richard Strauss: Ariadne auf Naxos
Manche Aufführungen der Wiener Staatsoper können regelrechten Modellcharakter für ein bestimmtes Werk beanspruchen. Dazu zählt die Neuinszenierung von Richard Strauss' Ariadne auf Naxos, die vor 35 Jahren, im November 1976 herauskam. Bis 2011 ist die Produktion nicht vom Spielplan der Staatsoper verschwunden und auch wenn die Besetzungen sich seitdem naturgemäß gewandelt haben, blieb jene der Premiere in den Hauptrollen dem Wiener Opernpublikum doch auf Jahre, ja vereinzelt sogar Jahrzehnte erhalten.  C 817 112 ISo war Edita Gruberova als Zerbinetta allein an der Staatsoper in mehr als neunzig Vorstellungen zu erleben, zum Großteil in der besagten Produktion. Ihre brillanten Koloraturen und ihre raffinierte Gestaltung sicherten ihr damals wie in ihren heutigen Partien die Gunst von Publikum und Presse. Ebenfalls bis heute mitten im Sänger(innen)leben steht Agnes Baltsa, mag sie den jugendlich-ungestümen Komponisten auch weniger häufig verkörpert haben. Dass im kurzen Duett der beiden zwei Belcanto-Königinnen späterer Jahre zu vernehmen waren, dürften damals manche geahnt haben und umso schöner, es jetzt auf CD hören zu können. Nicht unbedingt wäre man wohl 1976 in Wien auf die Idee gekommen, dass die übrigen Hauptpartien der Ariadne (zumal bei solcher Konkurrenz) undankbar erscheinen können. Denn bei der Wiener Premiere waren als bestens eingespieltes Paar Ariadne-Bacchus Gundula Janowitz und James King zu erleben. In dieser Konstellation wird auch die schwierige Schlussszene der Oper mit dem „Wunder der Verwandlung“ tatsächlich zum krönenden Abschluss der Oper, nachdem Gundula Janowitz mit ihrem unübertrefflich akkuraten Sopran bereits in Ariadnes großen Klage-Monologen geglänzt und James King den gefürchteten Kurzauftritt des jugendlichen Gottes souverän gemeistert hat. Auch ihm könnte man, bei allein in dieser Partie drei Jahrzehnten Karriere, ein rollenadäquates Ewigkeitssiegel zusprechen. Doch wer kann es letztlich mit Karl Böhm an Dirigentenpult aufnehmen, wenn es um Erfahrung mit Strauss' Ariadne geht? Dass der besagte Premierenabend immer im Fluss und einer idealen Balance blieb, stimmig bis in die kleinsten Nebenrollen, ist wohl vor allem das Verdienst dieses großen Dirigenten und mit dem Komponisten innigst Vertrauten.
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